Klimaprotest an der Nossener Brücke: SachsenEnergie kontert Kritik von Extinction Rebellion
Dresden. Wer morgen Nachmittag mit dem Auto durch die Chemnitzer Straße will, sollte einen anderen Weg einplanen. Extinction Rebellion Dresden blockiert ab 16 Uhr die Kreuzung Budapester/Nürnberger Straße nahe dem Heizkraftwerk Nossener Brücke - und hat sich dafür einen Adressaten ausgesucht, der tatsächlich etwas zu antworten hat.
Der Vorwurf: Fehlende Klimaneutralität
Der Vorwurf der Gruppe: SachsenEnergie, Dresdens größter CO₂-Emittent, lege kein prüfbares Dekarbonisierungskonzept vor. Was durchgesickert sei, hänge zu 70 Prozent an Wasserstoff, Geothermie und Müllverbrennung - Technologien, die laut Extinction Rebellion entweder nicht verfügbar oder nicht klimaneutral seien. Kein Plan, so die Aktivisten, sondern Hinhalten.
Nun kann man über Straßenblockaden - wie zuletzt im Januar - denken, was man will. Was in diesem Fall auffällt: SachsenEnergies Pressestelle hat nicht auf Durchzug gestellt. Sie hat den Blockadeaufruf zum Anlass genommen, sachlich und ohne Verteidigungsreflex zu antworten - mit konkreten Zahlen, benannten Projekten und dem offenen Eingeständnis, welche Bedingungen das Unternehmen selbst nicht erfüllen kann. Das ist in der Unternehmenskommunikation keine Selbstverständlichkeit, und es verdient Erwähnung.
Die Strategie: Wasserstoff und Müllverbrennung
Zur Sache: Eine Kurzfassung des Konzepts ist seit 2023 öffentlich, Stadträte hatten Einsicht, Umweltgruppen wie Dresden Zero und BUND werden regelmäßig informiert. Der Wasserstoffanteil soll unter 40 Prozent bleiben - gesetzlich ist das ohnehigen gedeckelt. Aber ganz ohne Wasserstoff, so das Unternehmen, sei eine vollständige Dekarbonisierung bis 2045 nicht realistisch. Das neue Kraftwerk an der Nossener Brücke wird deshalb „H₂-ready“ geplant.
Die umstrittene Müllverbrennung, Projekt RING30, soll ab 2030 rund 15 Prozent der Dresdner Fernwärme liefern. Das Gebäudeenergiegesetz stuft die dabei entstehende Wärme als CO₂-frei ein - weil Müllverbrennung unabhängig von jeder Fernwärmenutzung gesetzlich vorgeschrieben ist. Wärmepumpenprojekte laufen bereits in Reick, an der TU Dresden und in der Friedrichstadt; Flusswärmepumpen aus der Elbe sind in Planung.
Wer trägt die Verantwortung?
Den schnelleren Pfad zur Klimaneutralität bis 2035 knüpft SachsenEnergie an Bedingungen, die das Unternehmen nicht allein herbeiführen kann: Fördermittel im dreistelligen Millionenbereich, ein Anschluss ans Wasserstoffnetz bis 2030 sowie beschleunigte Genehmigungsverfahren. Ob das Zurücklegen der Verantwortung auf externe Faktoren berechtigt oder bequem ist - darüber lässt sich streiten. Extinction Rebellion Dresden wird das morgen an der Chemnitzer Straße tun.
Die nächste Aktion der Gruppe ist für den 28. Mai am Straßburger Platz angekündigt, Thema dann: klimafreundliche Mobilität. Das Dekarbonisierungskonzept von SachsenEnergie ist abrufbar unter sachsenenergie.de.