Finanz-Alarm in Dresden: Kunsthochschule droht die existenzielle Schieflage
Dresden. Die Hochschule für Bildende Künste (HfBK) Dresden schlägt Alarm: Vom kommenden Jahr an drohen der traditionsreichen Kunsthochschule erhebliche Einschnitte, die bis in den Lehrbetrieb reichen. Auf einer Vollversammlung informierte die Hochschulleitung am 8. Juli Studierende und Beschäftigte über eine Finanzlage, die sie selbst als kritisch beschreibt.
Der Grund ist ein Zusammenspiel mehrerer Entwicklungen. Die Zuschüsse des Freistaates decken nach Darstellung der Hochschule die gestiegenen Sachkosten nicht mehr; parallel muss die HfBK seit 2025 anteilig Kürzungen ihres Budgets hinnehmen, mit denen Sparvorgaben im Landeshaushalt umgesetzt werden. Hinzu kommt, dass zuletzt zahlreiche Sondermittel von Bund und Land wegfielen - Geld, das die Hochschule etwa für den Gebäudeunterhalt, für Computer- und Netzwerktechnik oder für Neuerungen in der Lehre einsetzte.
Wenn Sparen nicht mehr reicht
Bislang konnte die HfBK die Lücke abfedern - durch Kostenoptimierung und Zurückhaltung bei Investitionen. Doch diese Reserven sind ausgereizt, und auch der Griff in die verbliebenen Rücklagen trägt nicht mehr. Die Folge, die die Hochschule offen ausspricht: Einschnitte beim Personal seien „unumgänglich" - und die wirkten sich unmittelbar auf Lehre, Studium und künstlerische Praxis aus.
Rektor Prof. Oliver Kossack macht die Dimension deutlich. Es gehe nicht mehr um Kürzungen, die sich durch zusätzliche Anstrengung auffangen ließen, sondern um strukturelle Herausforderungen, die den Studienbetrieb grundlegend verändern würden. Ohne eine Korrektur der Finanzentwicklung gerate die Hochschule „absehbar in eine existenzielle Schieflage". Man sei durchaus offen für sinnvolle Verdichtungen, wo sie verantwortbar seien - doch wie die sächsischen Hochschulen insgesamt leide auch die HfBK unter zu geringen Zuschüssen. Selbst die Erfolge beim Einwerben von Drittmitteln könnten das nicht ausgleichen. Entscheidend sei eine „auskömmliche Grundfinanzierung" durch den Freistaat.
Wie der Freistaat die Finanzierung darstellt
Das Land verweist bei der Hochschulfinanzierung auf die Zuschussvereinbarung 2025 bis 2032, mit der die Grundfinanzierung der staatlichen Hochschulen nach eigener Darstellung langfristig gesichert und vertraglich ausfinanziert ist; zusätzliche Zweckmittel steigen bis 2028 auf jährlich 30 Millionen Euro. Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (CDU) spricht von „Planungssicherheit".
Zugleich sorgt das Ministerium selbst für Unmut: Im laufenden Haushalt 2026 sperrte es Mittel im Wissenschaftsbereich - betroffene Einrichtungen mussten zeitweise auf rund zehn Prozent ihrer Planung verzichten. Öffentlich wurde das durch eine Kleine Anfrage der Grünen, die die Rücknahme der Sperrungen fordern. Eine gesonderte Stellungnahme des Ministeriums zur Lage der HfBK lag zunächst nicht vor; die Hochschule selbst betont, sie suche gemeinsam mit dem Ministerium nach Lösungen.
Der Ruf nach Öffentlichkeit
An dieser Stelle setzt die Hochschule auf Gespräche und auf Sichtbarkeit. In der Diskussion auf der Vollversammlung forderten viele Hochschulangehörige die Leitung auf, die Öffentlichkeit über die Folgen zu informieren und den Dialog mit Staatsregierung und Landtag rasch fortzusetzen - mit dem Ziel, eine hochwertige künstlerische Ausbildung an der HfBK zu sichern.
Wie lebendig diese Ausbildung ist, lässt sich unterdessen aus nächster Nähe erleben: Beim Rundgang 2026 vom 17. bis 26. Juli öffnet die HfBK ihre Ateliers und Werkstätten - mit Sommerfest und der Diplomausstellung von 47 Absolventinnen und Absolventen im Oktogon.