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Ein Noten-Rätsel wird gelöst: Gänsehaut-Konzert in der Semperoper

Chefdirigent Daniele Gatti im Profil im Frack mit Taktstock vor den Streichern der Sächsischen Staatskapelle Dresden während eines Konzerts in der Semperoper.
Große Emotionen in der Semperoper: Chefdirigent Daniele Gatti leitet die Sächsische Staatskapelle Dresden. Im 2. Sinfoniekonzert präsentiert das Orchester Gustav Mahlers unvollendete Zehnte Sinfonie im Rahmen des ersten Mahler-Zyklus. Foto: Oliver Killig
Jahrzehntelang tüftelten Musikwissenschaftler am Erbe des Starkomponisten. Warum die Fassung von Deryck Cooke die Musikwelt erschütterte und jetzt in Dresden begeistert.

Dresden. An diesem Wochenende steht in der Semperoper ein Werk auf dem Programm, das sein Komponist nie vollenden konnte. Chefdirigent Daniele Gatti und die Sächsische Staatskapelle Dresden spielen im 2. Sinfoniekonzert Gustav Mahlers unvollendete Zehnte Sinfonie, wie das Orchester mitteilte. Es ist eine Station des ersten Mahler-Zyklus in der Geschichte der Kapelle.

Mahler schrieb an der Sinfonie, während seine Ehe in eine schwere Krise geriet. In seine Skizzen notierte er verzweifelte Sätze wie „O Gott, warum hast du mich verlassen?”. Begonnen hatte er die Arbeit 1909/10, geplant waren fünf Sätze. Vollständig instrumentiert hinterließ er aber nur das eröffnende Adagio. 1911 starb Mahler, bevor er das Werk abschließen konnte.

Deryck Cookes Fassung machte das Werk hörbar

Wie das Fragment als Ganzes klingen könnte, beschäftigte die Musikwelt jahrzehntelang. Durchgesetzt hat sich die Aufführungsfassung des britischen Musikwissenschaftlers Deryck Cooke, der gemeinsam mit Berthold Goldschmidt eine fünfsätzige Bearbeitung erarbeitete. 1964 erklang sie erstmals vollständig. Cooke verstand seine Arbeit ausdrücklich nicht als Vollendung, sondern als Versuch, Mahlers Gedanken aus dem erhaltenen Material hörbar zu machen.

Nach den Dresdner Konzerten geht die Staatskapelle mit Gatti auf Tournee, vom 24. Oktober bis 2. November mit acht Konzerten in Deutschland, Frankreich, Italien und der Schweiz. Mahlers Zehnte erklingt dabei im Konzerthaus Dortmund am 31. Oktober, in der Kölner Philharmonie am 1. November und in der Philharmonie de Paris am 2. November.

Termine und Karten

In der Semperoper ist das 2. Sinfoniekonzert dreimal zu hören, am Sonntag, 18. Oktober, um 11 Uhr sowie am Montag und Dienstag, 19. und 20. Oktober, jeweils um 19 Uhr. Eine Konzerteinführung gibt es jeweils 45 Minuten vor Beginn im Opernkeller. Karten sind an der Schinkelwache am Theaterplatz und online erhältlich.