„Die Vereine haben Angst“: Dresdens Sportklubs schlagen Alarm
Dresden. So viele Mitglieder wie nie, und trotzdem müssen Vereine Kinder wegschicken. In Dresdens Sportklubs steigen die Beiträge, Hallen- und Eiszeiten aber fehlen. Von dieser Lage berichteten Vereinsvertreter am Mittwoch im Heinz-Steyer-Stadion, wo die Grünen-Stadträte Torsten Schulze und Torsten Hans Dresdner Vereine zu einer Gesprächsrunde über den Doppelhaushalt 2027/2028 geladen hatten.
Die Zahlen erklären die Sorge. In Dresden seien rund 137.000 Menschen in etwa 400 Vereinen organisiert, vor einigen Jahren seien es noch 100.000 gewesen, sagte Lars Kluger vom Stadtsportbund. Die konsumtive Sportförderung bleibe dennoch bei rund 4,6 Millionen Euro, davon flössen etwa 2,5 Millionen allein in die Anmietung von Sportstätten. Nötig wären sechs Millionen. „Ich frage mich, wie man einen so gesellschaftlich relevanten Bereich von montags bis samstagabends so finanzieren kann und sonntags dann in einer Rede seine Wichtigkeit betont", sagte Kluger.
Gebühren sollen um 60 Prozent steigen
Hinzu kommt eine geplante Gebührenerhöhung. Der Eigenbetrieb Sportstätten rechne derzeit mit einem Anstieg der Sportstättengebühren um rund 60 Prozent, sagte Betriebsleiter Gunnar Krisch. „Ich bin nicht hier, um für die Gebührenerhöhung zu werben. Ich muss meinen Haushalt ausgleichen", sagte er. Der Eigenbetrieb erhalte rund 17 Millionen Euro Verlustausgleich aus der Stadtkasse, wie der Wirtschaftsplan ausweist. Gleiche er die Gebühren nicht an, müsse er bei der Werterhaltung und der Anmietung von Sportstätten kürzen. Zum Vergleich verwies er auf das Schwimmen. Dort sei seit 2017 nichts angepasst worden, weshalb dort eher 200 als 60 Prozent nötig wären.
Zugleich sinken die Investitionen. Laut Haushaltsentwurf fallen die Mittel für die Sportstätten von 10,2 Millionen Euro 2027 auf 2,8 Millionen Euro in den Jahren 2030 und 2031. Diese Restsummen bestünden am Ende vor allem aus der Tilgung von Krediten für die Stadien, sagte Krisch. Eine ältere Sportentwicklungskonzeption beziffere den tatsächlichen Investitionsbedarf auf rund 300 Millionen Euro.
Klubs fürchten um ihre Existenz
Beim Dresdner Eislauf-Club steige der Monatsbeitrag im Synchronbereich von 90 auf 150 Euro, im Einzellauf von 250 auf 400 Euro, berichtete Torsten Wenzel. Zwei Kinder in einer Familie seien damit kaum noch zu finanzieren. Und selbst wer zahle, bekomme keinen sicheren Platz, weil die Eishalle keine freien Zeiten mehr habe - ausgerechnet jetzt, wo der Synchroneislauf olympisch geworden sei. „0,6 Prozent sind einfach nichts", sagte Wenzel mit Blick auf den Anteil des Sports am städtischen Haushalt.
Andere Vereine schilderten ähnliche Nöte. Der Eisenbahner-Sportverein Dresden mit 1.300 Mitgliedern nannte um 50 Prozent gestiegene Betriebskosten. Der Universitätssportverein der TU Dresden mit 4.500 Mitgliedern beklagte, dass drei Fußballplätze wegfielen, während ein geplanter Ersatz im Südpark fehle. Bei einem Taucherverein am Schwimmsportkomplex Freiberger Straße fließe die Ehrenamtspauschale für Übungsleiter zum Teil direkt in die Parkgebühren zurück. Zudem müsse der Verein im Jahr rund 50 Kinder abweisen, die schwimmen lernen wollten, weil die Wasserzeit fehle.
Sport als Prävention
„Die Vereine haben Angst", sagte ein Vereinsvertreter. Dahinter stehe mehr als die Sorge um einzelne Beiträge. Sport sei Vorsorge, hieß es in der Runde, ehrenamtlich geleistete Jugendarbeit, Integration und Gesundheit bis ins Alter. Eine bessere Förderung senke langfristig sogar Ausgaben an anderer Stelle, etwa bei der Hilfe zur Erziehung oder der Sozialhilfe. Das Motto laute Prävention statt Reparatur.
Die Grünen-Stadträte hatten zu dem Abend geladen, um Argumente für die anstehenden Haushaltsverhandlungen zu sammeln. Geld könne aus zwei Quellen kommen, sagte der finanzpolitische Sprecher Torsten Hans. Bleibe Dynamo Dresden in der 2. Bundesliga, werde ein für den Abstieg eingeplanter Stadionzuschuss von rund 1,4 Millionen Euro frei. Zudem hoffe man auf die Steuerschätzung im Herbst. Ein Problem bleibe das Land. Weil dort Fördermittel fehlten, lasse sich die investive Vereinsförderung von 800.000 Euro kaum abrufen, für die es eine Kofinanzierung aus Sachsen bräuchte.
Die eigentlichen Haushaltsverhandlungen im Stadtrat beginnen voraussichtlich im November. Die höheren Sportstättengebühren werden wohl frühestens 2028 greifen.