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Brücke Budapester Straße: Ohne Stützen droht Einsturz

Unteransicht der weitläufigen Betonkonstruktion und massiven Pfeiler der Brücke Budapester Straße in Dresden, umgeben von Grünflächen.
Gewaltiges Bauwerk unter Beobachtung: Die fast einen Kilometer lange Brücke Budapester Straße überspannt zentrale Verkehrsachsen und Bahngleise. Weil das Bauwerk im Bereich bestimmter Stützen ohne Hilfspfeiler einzustürzen droht, muss es nun aufwendig gesichert werden. Foto: cdH
Von: Cornelius de Haas
Bei der Probenentnahme rissen 40 Spanndrähte auf einen Schlag. Nun zieht die Stadt Notstützen ein – und kann nicht sagen, wann die Brücke je wieder voll befahrbar sein wird.

Dresden. Die Brücke Budapester Straße steht unter genauer Beobachtung – und der Befund ist ernster als zunächst angenommen. Ohne die geplanten Notabstützungen werde das Bauwerk im geschädigten Bereich über den Stützen B und C einstürzen. Das sagte Steffen Marx am Donnerstag, 21. Mai, auf einer Pressekonferenz der Landeshauptstadt Dresden. Der Professor für Massivbau an der TU Dresden hat das Bauwerk mit seinem Büro MKP untersucht. Allein bei der Bauwerksöffnung zur Probenentnahme seien 40 Drähte spontan gerissen.

Akut tragfähig ist die Brücke weiterhin: Für das Eigengewicht und für Temperatureinflüsse bestehe derzeit noch ausreichende Sicherheit, so Marx. Die Drahtbrüche traten vor allem über den Stützen auf - einem Bereich, der nur schwer zugänglich ist. Geholfen habe ein akustisches Monitoring, das die verdächtigen Stellen für die Proben aufspürte. Die auffälligen Geräusche hätten sich später klar Drahtbrüchen zuordnen lassen.

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Vom Lkw-Verbot zur Vollsperrung

Bis zu diesem Punkt hatten sich die Schäden über Wochen verdichtet. Zwischen dem 4. und 7. Mai untersuchte das Straßen- und Tiefbauamt die Brücke vertieft, mit Bauwerksöffnung und Probenahme. An den Achsen B und C kamen acht sichtbare Drahtbrüche zum Vorschein, sieben davon frisch, dazu weitere Anrisse. Die Achse über den Bahnanlagen blieb unauffällig.

Rot-weiße Absperrgitter mit gelben Warnleuchten und diverse Verbotsschilder blockieren die Fahrbahn auf der Brücke Budapester Straße.
Nichts geht mehr für den Autoverkehr: Nach der Entdeckung zahlreicher frisch gerissener Spannbetondrähte zog die Stadt die Reißleine und richtete am 14. Mai die Vollsperrung des geschädigten Abschnitts ein. Fußgänger und Radfahrer können die Brücke weiterhin nutzen. Foto: CdH

Zunächst reagierte die Stadt ab Freitag, 8. Mai, mit einer Einengung auf eine Fahrspur je Richtung und einer Beschränkung auf 7,5 Tonnen. Das genügte nicht: Trotz des Limits fuhren regelmäßig 40-Tonner über die Brücke. Als das Büro MKP den Zustand am 13. Mai als deutlich kritischer einstufte und die Restsicherheit nicht mehr belastbar zu beziffern war, zog die Stadt die Konsequenz. Am Morgen des 14. Mai folgte die Vollsperrung des geschädigten Abschnitts.

Notstützen sollen Beanspruchung senken

Inzwischen sei der Prozess für die Hilfspfeiler angelaufen, sagte Tiefbauamtsleiterin Simone Prüfer. Die Notstützen sollten die Beanspruchung des Bauwerks senken - und möglichst schnell stehen, um nicht auch die Ammonstraße sperren zu müssen. Vorgesehen seien Schwerlaststützen mit Pressen im Bereich der Stützen B und C, umgesetzt innerhalb von sechs bis zwölf Wochen. Danach wollen die Fachleute die Untersuchungen ausweiten, um weitere möglicherweise geschädigte Bereiche einzugrenzen.

Mittelfristig prüfe die Stadt eine Verstärkung, etwa durch eine ultrahochfeste Betonplatte mit zusätzlicher Bewehrung im Bereich der Achse C. Damit ließe sich das Bauwerk noch einmal für zehn Jahre ohne Einschränkungen nutzen. Parallel laufe die Vorbereitung für einen Ersatzneubau.

Tiefbauamtsleiterin Simone Prüfer und Baubürgermeister Stephan Kühn bei einer Pressekonferenz an einem Tisch. Auf einem großen Bildschirm im Hintergrund ist Professor Steffen Marx per Video zugeschaltet.
Ernste Bestandsaufnahme: Tiefbauamtsleiterin Simone Prüfer und Baubürgermeister Stephan Kühn informierten am Donnerstag über das weitere Vorgehen. Per Großbildschirm zugeschaltet: Professor Steffen Marx (TU Dresden), dessen Büro die drastischen Drahtbrüche im Inneren des Betons aufspürte. Foto: CdH

Wann die Brücke wieder vollständig freigegeben werden kann, blieb offen. Das sei derzeit nicht verlässlich zu beantworten, betonte Prüfer. Und selbst bei einer Wiederfreigabe gälten zunächst weiterhin die 7,5-Tonnen-Grenze und die Einspurigkeit.

Kosten noch offen – Stadt muss Haushalt umschichten

Beziffern lassen sich die Kosten für Sperrung und Stützmaßnahmen bislang nicht, sagte Prüfer. Eine fachliche Größenordnung nannte allerdings Marx: Die Notunterstützung dürfte im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Millionenbereich liegen. Ein möglicher Ersatzneubau erreiche angesichts des fast einen Kilometer langen Bauwerks und der Anforderungen der Bahn eine ähnliche Dimension wie die Carolabrücke - und käme damit voraussichtlich auf mehr als 100 Millionen Euro. Mitzudenken seien dabei nicht nur die Bau-, sondern auch die Erhaltungskosten.

Geld, das im Haushalt erst gefunden werden muss. Für die Finanzierung der Notmaßnahmen müsse die Stadt Wege finden, sagte Baubürgermeister Stephan Kühn. Dafür sei eine Umschichtung im laufenden Haushalt nötig.

Was für den Verkehr gilt

Fuß- und Radverkehr sind weiterhin uneingeschränkt möglich. Fahrzeuge über 7,5 Tonnen dürfen den gesamten Brückenzug nicht befahren; für sie ist eine großräumige Umleitung über Nürnberger, Münchner, Fritz-Löffler- und St. Petersburger Straße ausgeschildert. Die Buslinie 62 wird stadtauswärts über St. Petersburger Straße, Dr.-Külz-Ring, Wallstraße, Freiberger Straße und Ammonstraße umgeleitet. Eine weitere Anpassung der Linienführung ist laut Stadt möglich.

Cornelius de Haas
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Cornelius de Haas

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