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Blindgänger-Verdacht nahe Carolabrücke: Entscheidung über Evakuierung fällt am Dienstagabend

Blindgänger-Verdacht nahe Carolabrücke: Entscheidung über Evakuierung fällt am Dienstagabend
Räumstellenleiter und Truppführer Sebastian Liers von der Dresdner Bohrgesellschaft mit dem Großteil der 29 unkritischen Störstellen. Foto: CdH
Von: Dresden News

Bei Sondierungsarbeiten im Vorfeld des Wiederaufbaus der Carolabrücke wurden zwei Verdachtspunkte auf Bombenblindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg identifiziert. Am Dienstag, 10. März, sollen die Fundstellen ab etwa 16 Uhr freigelegt werden. Je nach Ergebnis könnte ein Evakuierungsbereich von 1.000 Metern rund um die Fundstelle eingerichtet werden. Mit einer Bekanntgabe rechnen die Behörden frühestens gegen 18 Uhr. 

Beim Abriss der Carolabrücke im Jahr 2025 waren bereits mehrere Bombenblindgänger aufgetaucht. Im Rahmen der Planung für den Wiederaufbau ließ die Stadt das künftige Baufeld vorsorglich untersuchen. Seit Oktober 2025 durchsucht eine Fachfirma das Gelände.

Insgesamt habe man auf einer Fläche von etwa 11.000 Quadratmetern gut 5.700 Bohrungen durchgeführt, erklärte Räumstellenleiter Sebastian Liers von der Dresdner Bohrgesellschaft. Dabei seien dünne Plastikrohre bis zu sechs Meter tief in der Erde versenkt worden. 

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Polizeisprecher: "Es spricht viel dafür, dass es ein Kampfmittel ist."

Von 31 identifizierten Störstellen in zwei bis vier Metern Tiefe stufen die Experten 29 als unkritisch ein, diese sind inzwischen auch aus dem Erdreich entfernt worden. Neben jeder Menge Schrott fand sich dabei auch Bauschutt und Überreste der alten Carolabrücke. "Sandstein schlägt bei den Messungen ähnlich wie Metall an", erklärte Liers.

Zwei Ortungen erfordern jedoch eine weitergehende Untersuchung. Den Messungen zufolge handelt es sich um zwei abgerundete Körper von etwa einem Meter Länge und 60 Zentimetern Breite. Deren Werte hätten sich derart fundamental von jenen der anderen Störstellen unterschieden, dass man davon ausgehen müsse, dass es sich um Blindgänger aus dem 2. Weltkrieg hadelt.

Ob es sich aber tatsächlich um Kampfmittel handele, werde man erst nach der Öffnung der Störstellen sagen können, befand Polizeisprecher Thomas Geithner: "Aber es spricht viel dafür, dass es ein Kampfmittel ist." Sollten sich die Störstellen aber - wider erwarten - wie zum Beispiel im Oktober 2018 als Wasserrohre entpuppen, versichert Geithner: "Unser bisheriges Vorgehen ist keine Schikane." 

Der Elberadweg ist im Bereich der einstigen Carolabrücke bereits gesperrt. Foto: CdH

Ab 16 Uhr wird am Dienstag ein Sperrkreis von 150 Metern rund um die Fundstelle eingerichtet. Die Elbe und der Elberadweg werden gesperrt, ein Drohnenflugverbot gilt im Umkreis. Den Auto- und ÖPNV-Verkehr auf der Großen Meißner Straße und am Carolaplatz betreffen diese Sperrungen nicht. "Auch hier ist zu sehen, dass wir die Auswirkungen für die Bevölkerung so gering wie möglich halten wollen", sagte Feuerwehrsprecher Michael Klahre bei einem Vororttermin am Donnerstagmittag.

Bei Evakuierung: DVB setzt erstmals auch Straßenbahnen ein

Nach der Freilegung der beiden Störstellen entscheiden Fachleute, ob die Verdachtsobjekte entschärft werden müssen. Mit dem Ergebnis ist am frühen Abend des 10. März zu rechnen. Besteht keine Gefahr, sind keine weiteren Maßnahmen nötig.

Bestätigt sich der Bombenverdacht, wird lageabhängig entschieden, ob die Evakuierung noch am Abend des 10. März oder am Folgetag, Mittwoch, 11. März, erfolgt. Der Evakuierungsradius beträgt 1.000 Meter und betrifft mehr als 18.000 in dem Bereich gemeldete Dresdner. "Rechnet man die Perufspendler, Besucher und Touristen hinzu, kommen wir bestimmt auf über 30.000 Menschen", sagt Klahre, der von der potenziell größten Evakuierungsaktion in der jüngeren Geschichte der Landeshauptstadt spricht.

Als Notunterkunft steht die Messe Dresden bereit. Die Dresdner Verkehrsbetriebe bieten am 11. März von 7 bis 9 Uhr zusätzliche Bus- und erstmals auch Straßenbahnverbindungen zur Messe im 20-Minuten-Takt an. 

Unter anderem hinter dieser Absperrung wird nach möglichen Bomben-Blindgängern gesucht. Foto: CdH

"Je mehr mitmachen, desto schneller geht es vorüber", appelliert Polizeisprecher Thomas Geithner an die Dresdner. Ab 18 Uhr sollten man sich eigenständig über den aktuellen Stand informieren. Vonseiten der Polizei sei alles vorbereitet. "Die Einsatzkräfte sind bestellt, die Struktur steht." Allerdings wird auch die Einsatzleitung nicht vom heimischen Polizeipräsidium geführt werden, da auch das Gebäude im Evakuierungsbereich liegt. Deswegen habe man sich bereits einen Platz im Landeskriminalamt besorgt.

Die Stadt Dresden informiert am Abend des 10. März auf dresden.de über das Ergebnis der Untersuchung. Im Fall einer sofortigen Evakuierung wird das Sirenenwarnssystem ausgelöst. Zusätzliche Warnungen erfolgen über das Modulare Warnsystem des Bundes und die Warn-App NINA sowie über die Social-Media-Kanäle der Stadt und der Feuerwehr. Eine Bürgerinformationshotline ist unter 0351-4887666 erreichbar (10. März: 9–24 Uhr, 11. März: 7–18 Uhr). Zudem werden auch die hiesigen Medien ausreichend über die Situation informieren.

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