Asphalt weicht Natur: Dresdner Schule feiert neuen Traum-Pausenhof
Dresden. In Striesen, wo öffentliche Grünflächen knapp sind, hat eine Schule ihren Hof zum kühlen Rückzugsort umgebaut. Am Donnerstag pflanzte Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen mit Grundschülern der Freien Montessorischule Huckepack eine Felsenbirne, einer der letzten Handgriffe nach Monaten Bauzeit. Der entsiegelte Pausenhof mit neuen Grünflächen und Sonnensegeln soll an heißen Tagen Schatten und Abkühlung bringen.
Was die Schule gegen die Hitze tut
Die Umbauten sind Teil eines Klimaschutzkonzepts, das die Schule bereits 2021 entwickelt hat und seither Schritt für Schritt umsetzt. Neben dem Pausenhof kamen eine automatische Nachtlüftung im Altbau hinzu, die aufgeheizte Klassenräume nachts abkühlt, Klimaschutzfolien an besonnten Fenstern sowie Markisen und Sonnenschirme für bislang ungeschützte Bereiche wie die grünen Klassenzimmer und den Mensa-Außenbereich. Fassade und Dach des Neubaus sind begrünt, auf dem Dach laufen eine Photovoltaikanlage und eine Zisterne, die Regenwasser fürs Gießen sammelt.

Harry Vahle, Geschäftsführer des Huckepack e. V., bringt den Grund auf den Punkt: „Wir hier in der Innenstadt sind ganz konkret von Hitze betroffen.” Um den Kindern gute Lernbedingungen zu erhalten, passe man das Gelände konsequent an.
Wer das bezahlt hat
Der Umbau insgesamt hat gut eine halbe Million Euro gekostet, auf den Schulhof entfallen davon etwa 400.000 Euro. Den größten Teil trägt der Freistaat über eine Förderung der Sächsischen Aufbaubank (SAB). Üblich sind 75 Prozent, mit einem Klimaschutzkonzept sind bis zu 80 Prozent möglich, die die Schule auch erhielt. Den nötigen Eigenanteil stemmt zu großen Teilen der Stadtbezirk Blasewitz mit 82.000 Euro, dazu kamen 10.000 Euro Gehölzschutzmittel vom Umweltamt.
Stadtbezirksamtsleiter Christian Barth erinnerte daran, wie eng die Entscheidung war. Im Mai, mitten in einer Haushaltssperre, als dem Stadtbezirk nur die Hälfte des Budgets zur Verfügung stand, habe man gerungen, wie groß man das Paket schnüren könne. Am Ende habe der Beirat dem großen Paket zugestimmt.
Seit sechs Jahren offen für alle
Den Ausschlag dürfte ein zweiter Punkt gegeben haben. Die Montessorischule war die erste in Dresden, die ihren Hof außerhalb der Schulzeit öffnete, mitten in der Corona-Zeit, als das keineswegs selbstverständlich war. Seit September 2020 ist das Gelände an Sommerwochenenden für alle zugänglich und dient an heißen Tagen als kühler Treffpunkt im Viertel. Fünf Jahre lang blieb die Schule damit allein, an diesem Wochenende zieht eine Schule in der Johannstadt nach. Für die Huckepack-Schule ist es zugleich die letzte Öffnung in diesem Jahr: Nach dem Wochenende bleibt der Hof bis zum Frühjahr geschlossen, ab April ist er wieder an den Sommerwochenenden für alle da.
Jähnigen lobte das Engagement: „Sie geht mit beispielhaftem Engagement voran.” Die Schule habe konkrete Maßnahmen zur Klimaanpassung entwickelt und mit ihrem Lernkonzept verknüpft. Striesen habe zu wenig öffentliche Grünflächen und Spielplätze, deshalb sei so ein offener Hof wertvoll.
Ein Heft für den Klimawichtel
Zum Termin stellte das Umweltamt ein neues Kinderheft vor. Es zeigt im Hosentaschenformat, was Familien gegen Hitze, Trockenheit und Starkregen tun können, Protagonistin ist Flora, ein kleiner Klimawichtel, die durch fünf Handlungsfelder führt. Verteilt wird das Heft an Dresdner Grundschulen. Fertig ist am Schulhof noch nicht alles, die Sonnensegel kommen erst im Frühjahr wieder, einige Bäume werden im November gepflanzt. Nutzbar ist der Hof aber längst.