Alter Leipziger Bahnhof in Dresden: 27 Hektar, ein neuer Park und viele offene Fragen
Von Anton Launer
Dresden. Auf 27 Hektar zwischen Leipziger, Erfurter und Eisenbahnstraße soll ein neues Stadtviertel wachsen, mit Wohnungen, Gewerbe, Kultur und einem großen Park. Am Mittwochabend stellte die Stadt die Pläne im Gymnasium Dresden-Pieschen vor, rund 100 Menschen kamen. Zwei Dinge dämpften die Euphorie: Die Grundstücke gehören nicht der Stadt, und vor 2030 hält sie einen Baubeginn nicht für realistisch.
Vom Wettbewerb zum Baurecht
Der Weg dorthin ist lang und läuft seit 2022. Damals begann der Beteiligungsprozess, in dem Eigentümer, Verwaltung, Bürger und Politik gemeinsam Vorgaben erarbeiteten. Es folgte ein Wettbewerb, den im Februar 2024 der Entwurf „Urbanität und Wildnis” der Büros Kopperroth, Fabulism und Station C23 gewann. Inzwischen haben die Planer ihn überarbeitet, Gebäude und Wege angepasst, den Artenschutz berücksichtigt und eine Gebäudeflucht verschoben, um bestehende Bäume zu erhalten.

Jetzt sollen zwei Bebauungspläne für Nord und Süd verbindliche Regeln schaffen. Wenn alles gut läuft, könne der Stadtrat sie in etwa drei Jahren als Satzungen beschließen, sagte Stefan Patschger vom Stadtplanungsamt. Danach müssen noch Grundstücksinteressen ausgeglichen werden, weshalb sich die einzelnen Bereiche unterschiedlich schnell entwickeln dürften.
Park, Kultur und neue Wohnungen
Im Norden liegt der Schwerpunkt auf dem Wohnen. Begrünte Innenhöfe und ein „Grüner Boulevard” sollen das Quartier durchziehen, rund um den Alten Schlachthof ist eine „Eventspange” mit Kultur, Gastronomie, Geschäften, Sport und einem Nachbarschaftshaus vorgesehen. Daran schließt der geplante Neue Leipziger Park an, die heute weitgehend brachliegende Fläche soll Raum für Natur, Erholung und Spiel bieten. Auch die alte Gleisharfe prägt den Entwurf.
Im Süden stehen Kultur, Gewerbe und die denkmalgeschützten Gebäude im Vordergrund, dazu Flächen für soziale und religiöse Nutzungen, ein Skatepark und der geplante Gedenk- und Begegnungsort. Der Bahnhof steht für europäische Eisenbahngeschichte und zugleich für die Deportation jüdischer Menschen. Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) verwies auf die Zusammenarbeit mit dem Förderkreis für den Gedenkort.
Autos in Quartiersgaragen, Grün auf die Dächer
Das Viertel soll weitgehend ohne Autoverkehr auskommen. Stellplätze sollen in Quartiersgaragen am Rand gebündelt werden, Durchgangsverkehr wollen die Planer vermeiden, dazu kommt Carsharing. Für die Dächer sehen die Vorentwürfe Begrünung und Solaranlagen auf mindestens der Hälfte der Fläche vor, Schottergärten sollen ausgeschlossen, Mülltonnen hinter Hecken und Kletterpflanzen versteckt werden.
Bei der Wärme strebt die Stadt einen Anschluss ans Fernwärmenetz an, feste fossile Brennstoffe sollen ausgeschlossen werden. Verbindlich ist das bislang nicht, zunächst wertet die Stadt die Stellungnahmen aus.
Was aus Wagenplatz und Schlachthof wird
Mehrere Gäste fragten nach der Zukunft des Wagenplatzes und der Subkultur. Die Stadt wolle die bisherigen Nutzer nicht verdrängen und die Flächen erwerben, betonte Kühn. Ein Bebauungsplan könne auch Flächen für einen Wagenplatz vorsehen, bauaufsichtlich bleibe die Lage aber schwierig, mehr als eine Duldung sei derzeit nicht möglich. Anja Heckmann vom Stadtplanungsamt verwies auf ein dafür vorgesehenes Sondergebiet. Eine angedrohte Räumung steht weiter im Raum, nach Kühns Darstellung hat der Eigentümer Globus aber zugesagt, sie vorher anzukündigen. Einen Zeitplan nannte die Stadt nicht.

Der Alte Schlachthof als Konzertstätte soll bleiben, neue Nutzungen in der Nähe müssten den nötigen Lärmschutz berücksichtigen. Für Fußgänger und Radfahrer sollen neue Verbindungen entstehen, möglich ist die Öffnung von drei Bahnbögen, die genaue Führung steht noch nicht fest. Einen grundlegenden Umbau der Leipziger Straße kündigte Kühn nicht an, vorgesehen sind zusätzliche Querungen. Die Eisenbahnstraße soll eine neue Oberfläche und einen Radweg bekommen, dafür ist kein Bebauungsplan nötig.
Noch bis 27. November mitreden
Wer sich einbringen will, hat dafür einige Wochen Zeit. Die Stadt nimmt bis zum 27. November Hinweise zu den beiden Vorentwürfen entgegen, danach überarbeitet sie die Pläne, ehe der Stadtrat über die endgültigen Fassungen entscheidet. Die Unterlagen liegen online unter dresden.de/offenlagen sowie im Stadtforum und im Stadtbezirksamt Neustadt aus. Stellungnahmen gehen per E-Mail an stadtplanung-mobilitaet@dresden.de. Mehr zum Projekt steht unter dresden.de/alter-leipziger-bahnhof.
Mit freundlicher Unterstützung durch das Neustadt-Geflüster/Pieschen aktuell