Für manche sind es possierliche Tiere, für einige aber wahre Plagegeister: Waschbären breiten sich auch in Sachsen rasant aus. Selbst wenn es keine genauen Zahlen gibt, sprechen die Jagdstrecken eine deutliche Sprache. Im Jagdjahr 1992/1993 (1. April bis 31. März des Folgejahres) wurden erstmals Waschbären in den sächsischen Wäldern geschossen - drei Exemplare. Zehn Jahre später waren es 80, im Jagdjahr 2024/2025 bereits knapp 27.000, wie der Landesjagdverband mitteilte.
Was zeichnet Waschbären aus?
Der Waschbär gilt als sehr anpassungsfähiger, geschickter und intelligenter Allesfresser. Deshalb kann er sich nahezu jede Nahrungsquelle zugänglich machen. «Die Tiere sind erfinderisch, kooperieren im Familienverband, sind geduldig und lernfähig. Deshalb können sie zu simple Hindernisse oft leicht überwinden», berichtet Sievert. Sein Verband sei deshalb gezwungen, Vogelnistkästen «waschbärensicher» zu konstruieren und aufzuhängen. Das gelte auch für andere Naturschutzmaßnahmen. Einige Artenschutzprojekte seien wegen der Waschbären nur noch schwer umzusetzen.
Welche Schäden richten Waschbären an?
Der Waschbär plündere zur Brutzeit Vogelnester, fresse wandernde Amphibien zur Laichzeit, besetze Höhlen, die für heimische Arten wie den Waldkauz dann nicht mehr verfügbar seien, listet der Naturschutzbund auf. Auch Quartiere von Fledermäusen, Eichhörnchen und vielen anderen Tieren seien für den Waschbären mögliche Nahrungsquellen. Lokal könne seine Anwesenheit zum Zusammenbruch von Vogel- und Amphibienpopulationen führen, die oft zuvor mit mühsamen Naturschutzmaßnahmen gestützt worden seien.
Das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie nennt Probleme für Hausbesitzer und Landwirte - vor allem, wenn Agrarbetriebe Sonderkulturen wie Obst oder Wein anbauen. «Hier können wirtschaftliche Schäden entstehen, da die Tiere die Früchte fressen und Pflanzen beschädigen.» Die Kleinbären würden auf der Suche nach Schlaf- und Wurfplätzen in Häuser eindringen. «Sie suchen nach nicht verschlossenen Dachluken oder Lücken im Dachbelag. Diese vergrößern sie mit ihren Vorderpfoten so lange, bis sie sich als Einstieg eignen.» So könne Wasser in das Gebäude eindringen und Folgeschäden verursachen.