Viele Landwirte in Deutschland spüren den Klimawandel längst auf ihren Feldern. Regen kommt weniger, die Sommer werden heißer, die Ernte bleibt hinter den Erwartungen zurück. Dazu kommen neue politische Vorgaben und höhere Anforderungen an Umwelt- und Bodenschutz. Doch welche Fruchtfolge schützt den Boden am besten? Lohnt sich eine andere Düngung? Forschende des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig haben ein kostenloses Online-Tool entwickelt, das bei solchen Fragen helfen soll.
Bodenwissen für die Landwirtschaft
Landwirte wählen auf einer interaktiven Karte ihre Ackerfläche aus. Das Tool verbindet diese dann mit lokalen Wetterdaten des Deutschen Wetterdienstes und vorhandenen Bodeninformationen. Danach können Nutzer verschiedene Szenarien durchspielen: Was passiert, wenn ich eine andere Pflanzensorte anbaue? Was, wenn ich weniger dünge? Wie verändert sich mein Boden bei trockeneren Sommern?
Das Ergebnis zeigt zum Beispiel, wie sich Ernte, Kohlenstoffspeicherung, Wasserspeicherung oder Nährstoffverluste verändern würden. Auch wie effizient Nährstoffe wie Stickstoff im Boden gehalten werden, lässt sich abschätzen. "Das Tool vermittelt damit Landwirtinnen und Landwirten auch wichtiges Bodenwissen, das viele so im Detail in ihrer Ausbildung nicht vermittelt bekommen haben", sagt Wollschläger.
Gemeinsam entwickelt, kostenlos nutzbar
Klare Grenzen gibt es aber auch. Das Tool nennt keine exakten Zahlen für die Zukunft. Es kann zum Beispiel nicht genau vorhersagen, wie viel Kohlenstoff in 30 Jahren im Boden gespeichert sein wird. Es zeigt Richtungen. "Wir empfehlen, sich Szenarien über mindestens zwei Fruchtfolgen angeben zu lassen, um Trends erkennen zu können", erklärt König. Eine Fruchtfolge beschreibt, welche Pflanzen in welcher Reihenfolge auf einem Feld angebaut werden, meist über mehrere Jahre.
Das Tool ist kostenlos verfügbar. Entwickelt wurde BODIUM4Farmers gemeinsam mit Landwirten in Workshops. Derzeit nutzen erste Agrarbetriebe das Programm und geben Rückmeldungen, damit es weiter verbessert werden kann. Perspektivisch soll es auch für Betriebe in ganz Europa nutzbar sein.