Jeans, T-Shirt, Sportjacke – Textilien begleiten uns durch jeden Tag. Doch was, wenn der Stoff unserer Kleidung eines Tages aus Kiefernnadeln gesponnen oder aus Pilzen hergestellt wird? An solchen Materialien für nachhaltige Textilien arbeiten Forschende der Westsächsischen Hochschule Zwickau. Jetzt steht ihnen dafür ein neues Technikum zur Verfügung. Es ist das größte Forschungs- und Lehrgebäude in der Geschichte der Hochschule.
Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (CDU) übergab das 27 Meter hohe Gebäude nun offiziell an Rektor Prof. Stephan Kassel. Der markante Bau am Dr.-Friedrichs-Ring gehört zu den höchsten Gebäuden der Zwickauer Innenstadt. Auf 4.000 Quadratmetern Nutzfläche, verteilt auf fünf Etagen, stehen ab sofort Labore, Praktikumsräume und Forschungsflächen zur Verfügung. Für Textiltechnik, Maschinenbau, Chemie sowie Umwelt- und Verfahrenstechnik.
Pilze, Kiefernnadeln und der Wald als Rohstoffquelle
Besonders ungewöhnlich sind zwei Projekte, die zeigen, woran künftig im Technikum geforscht wird. Im Projekt Confitex untersuchen Forschende, ob sich aus Kiefernnadeln textile Fasern für nachhaltige Textilien gewinnen lassen. Der Rohstoff fällt in großen Mengen in der Forstwirtschaft an und wird bislang kaum genutzt. Langfristig könnte daraus Garn für technische Textilien oder andere Anwendungen entstehen.
Im Projekt FungiMat geht es um Materialien auf Basis von Pilzen. Die Forschenden nutzen dafür Pilzmyzel, ein feines Geflecht aus Pilzfäden, das normalerweise im Boden wächst. Zusammen mit Biopolymeren, also biologisch abbaubaren Kunststoffen, sollen daraus neue Verbundwerkstoffe entstehen. Sie könnten künftig beispielsweise Verpackungen, Dämmstoffe oder bestimmte Kunststoffprodukte ersetzen.
Mit dem neuen Technikum bündelt die Hochschule ihre Kompetenzen in der Textilforschung erstmals an einem Standort. Die Forschenden hoffen, dass dadurch neue Kooperationen zwischen Materialwissenschaft, Maschinenbau, Chemie und Textiltechnik entstehen. Das Gesamtprojekt kostete 46,2 Millionen Euro. Rund die Hälfte der Mittel stammt aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).