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Autismus früh erkennen: Die Suche nach den ersten Hinweisen

Immunsystem, Darmbakterien, frühe Kindheit: Das „Nest", das das Gehirn eines Frühgeborenen schützt
Darm und Gehirn in Verbindung: Wie frühkindliche Mikroumgebungen die Gehirnreifung prägen. © Inna/stock.adobe.com
Von: Wissensland
Frühgeborene Kinder erhalten deutlich häufiger eine Autismus-Diagnose als termingeborene Kinder. Trotzdem ist diese Gruppe bislang wenig erforscht. Das EU-Projekt MICRO-NEST will das ändern. Mit Beteiligung der TU Dresden suchen Forschende nach Hinweisen im Körper, die schon lange vor einer Diagnose auf Autismus hindeuten könnten.

Eine Frühgeburt kann den Start ins Leben verändern. Manche Kinder erhalten erst Jahre später eine Diagnose aus dem Autismus-Spektrum. Dabei sind die ersten Lebensjahre besonders wichtig für Förderung und Unterstützung. Ein neues europäisches Forschungsprojekt sucht deshalb nach Möglichkeiten, Autismus früher zu erkennen.

Prof. Mareike Albert und ihr Team am Zentrum für Regenerative Therapien Dresden (CRTD) der TU Dresden sind Teil des internationalen Projekts MICRO-NEST. Gemeinsam mit Forschenden aus Europa und Australien suchen sie nach biologischen Frühwarnzeichen für Autismus-Spektrum-Störungen. Also Hinweisen im Körper, die lange vor einer Diagnose sichtbar werden könnten. Das EU-Förderprogramm Horizon Europe stellt dafür sechs Millionen Euro bereit.

Autismus-Spektrum-Störungen beeinflussen, wie Menschen ihre Umwelt wahrnehmen und mit anderen kommunizieren. Manche Betroffene reagieren besonders empfindlich auf Geräusche, Licht oder Berührungen. Andere haben Schwierigkeiten, soziale Signale zu verstehen. Wie stark sich Autismus im Alltag auswirkt, ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Frühgeborene gehören zu den Risikogruppen. Kinder, die vor der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen, erhalten etwa dreimal häufiger eine Autismus-Diagnose als Kinder, die zum errechneten Termin geboren werden.

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Darm, Immunsystem und Gehirn hängen zusammen

Bis heute gibt es keinen Test, mit dem sich Autismus früh und zuverlässig erkennen lässt. Ärzte stellen die Diagnose meist anhand des Verhaltens eines Kindes. Oft dauert es deshalb Jahre, bis Klarheit besteht. Genau das möchte MICRO-NEST ändern. Die Forschenden untersuchen, ob sich schon rund um die Geburt Hinweise auf eine spätere Autismus-Diagnose finden lassen.

MICRO-NEST verfolgt einen ungewöhnlichen Ansatz. Das Projekt geht davon aus, dass die Umgebung rund um Geburt und frühe Kindheit das Gehirn prägt, und zwar durch das Immunsystem, das Mikrobiom, alos die Gesamtheit aller Bakterien im Darm, und andere biologische Prozesse. Viele Menschen mit Autismus haben auch Magen-Darm-Beschwerden. Deshalb vermuten Forschende, dass Darm und Gehirn enger miteinander verbunden sind als lange gedacht.

Die Dresdner Forschenden bringen dabei eine besondere Expertise ein, die Epigenetik. "Unsere Gene sind der Bauplan des Lebens, aber die Epigenetik beeinflusst, welche Kapitel dieses Bauplans tatsächlich gelesen werden", erklärt Prof. Mareike Albert. Gemeint ist damit, dass äußere Einflüsse, etwa Stress, Ernährung oder eine Frühgeburt, bestimmte Gene aktivieren oder stilllegen können, ohne den Bauplan selbst zu verändern. "Unser ganzes Leben lang spiegeln sich Umwelteinflüsse in diesen molekularen Schaltern wider."

Ein digitaler Zwilling für die Diagnose

Das technische Herzstück des Projekts ist ein sogenannter digitaler Zwilling. Dabei handelt es sich um ein computergestütztes Modell, das auf Grundlage von Körperdaten eines Kindes dessen Entwicklung simuliert. Vereinfacht gesagt entsteht am Computer ein virtuelles Abbild eines Kindes. Es soll helfen vorherzusagen, welche Entwicklung wahrscheinlich ist und welche Unterstützung besonders hilfreich sein könnte.

Das Ziel des Projekts ist, Autismus bei gefährdeten Kindern früher erkennen zu können als bisher. Dafür suchen die Forschenden nach messbaren Hinweisen im Körper, die bereits kurz nach der Geburt sichtbar sein könnten. Gleichzeitig wollen sie neue Werkzeuge entwickeln, die Ärzte bei der Diagnose und Betreuung unterstützen. Auch die Versorgung von Frühgeborenen soll dadurch verbessert werden.

Von Anfang an sind auch Menschen mit eigener Autismus-Erfahrung und Angehörige in das Projekt eingebunden. Gelingt es, verlässliche Frühwarnzeichen zu identifizieren, könnten betroffene Kinder künftig deutlich früher Unterstützung erhalten als bisher. Das Projekt startet im September 2026 und ist auf fünf Jahre angelegt.

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