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Hochschule Mittweida nutzt den Nürburgring für Autoforschung

Der BMW M2 der Hochschule Mittweida erfährt Daten unter Rennbedingungen auf dem Nürburgring.
Das Forschungsfahrzeug der Hochschule Mittweida sammelt Daten unter Rennbedingungen auf der Nordschleife. © Racetracker.de/Uwe Hillebrand
Von: Wissensland
Erstmals darf eine Hochschule auf dem Nürburgring testen: Die Hochschule Mittweida sammelt mit einem BMW M2 reale Renndaten und baut daraus digitale Zwillinge für die Autos von morgen.

Der Nürburgring ist nicht nur eine Rennstrecke für Motorsportfans. Die Nordschleife gilt auch als eines der wichtigsten Testgelände der Autoindustrie. Seit Juni 2026 fährt dort erstmals auch eine Hochschule bei den exklusiven Test- und Entwicklungsfahrten mit. Forschende der Hochschule Mittweida sammeln unter Extrembedingungen Daten, um Fahrzeuge künftig realistischer am Computer simulieren zu können.

Daten von der Rennstrecke fürs Labor

Auf dem Nürburgring geht es nicht um schnelle Rundenzeiten. Die extremen Belastungen zeigen, wie sich Bremsen, Batterien oder Sensoren unter schwierigen Bedingungen verhalten. Diese Daten sammelt die Hochschule Mittweida mit einem eigenen Forschungsfahrzeug, einem BMW M2 mit 530 PS, der über Industriemittel finanziert wurde.

Im Living Lab "Motion Simulation und Softwareentwicklung" werden die Messdaten ausgewertet. Mithilfe Künstlicher Intelligenz entsteht daraus ein digitaler Zwilling. Das ist ein virtuelles Fahrzeugmodell, das sich am Computer möglichst genauso verhält wie das echte Auto. So lassen sich neue Fahrzeuge und einzelne Bauteile realitätsnah testen, bevor sie auf die Straße kommen.

Nach Angaben von Professor Matthias Vodel, Leiter des Living Lab, rücken Wissenschaft und Autoindustrie durch die Zusammenarbeit bei Fahrzeugentwicklung und Datenanalyse noch enger zusammen. Bevor die Hochschule an den Testfahrten teilnehmen durfte, mussten die Forschenden Schulungen absolvieren und Fahrprüfungen an der Nürburgring Driving Academy bestehen. Erst danach erhielten sie die erforderliche Zertifizierung.

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Gemeinsam mit Partnern aus Sachsen

Die Testfahrten sind Teil eines größeren Forschungsprojekts. Gemeinsam mit sechs sächsischen Unternehmen entwickelt die Hochschule Mittweida im Projekt SAB InnoTeam eine lernfähige Simulationsplattform. Gefördert wird das Vorhaben von der EU und dem Freistaat Sachsen. Die Partner nutzen dafür auch einen lasergescannten digitalen Zwilling der Nordschleife und gleichen reale Testfahrten mit Computersimulationen ab.

Professor Vodel, selbst leidenschaftlicher Rennfahrer, sieht in der Simulation großes Potenzial. "Neue Antriebskonzepte, autonome Fahrzeuge und immer kürzere Entwicklungszeiten stellten die Autoindustrie vor neue Herausforderungen. Verbesserte Simulationen könnten helfen, Fahrzeuge schneller und effizienter zu entwickeln."

Auch für den Alltag sieht Vodel Chancen. "Das virtuelle Erlebnis in unseren Simulatoren wird immer intensiver, immer immersiver. Damit wollen wir schon bald die praktische Fahrschulausbildung verbessern." Testfahrten auf der Rennstrecke werden nach Einschätzung der Forschenden trotzdem unverzichtbar bleiben. Simulationen können sie ergänzen, aber nicht vollständig ersetzen.

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