Die Kinder- und Jugendpsychiatrie hat mit einer wachsenden Zahl an Fällen zu tun, bei denen Betroffene mit ihrem Geschlecht hadern. Die Fachwelt spricht von Transidentität. Das Thema habe - auch wegen der Debatte um das Selbstbestimmungsgesetz - in den vergangenen Jahren mehr Aufmerksamkeit erhalten, sagte der Dresdner Kinder- und Jugendpsychiater Veit Roessner der Deutschen Presse-Agentur. Das habe dazu beigetragen, dass sich mehr junge Leute – vor allem in der Pubertät - mit Fragen zum eigenen Geschlecht beschäftigten. «Wenn sich Körper und Selbstbild stark verändern, suchen viele Orientierung – im Freundeskreis und in sozialen Medien.»
Sorgfältige Abklärung und Beratung für dringend erforderlich
Allerdings führt nicht jedes geschlechtsbezogene Unwohlsein zu einem anhaltendem, medizinisch bedeutsamem Leidensdruck, der die Diagnose Geschlechtsdysphorie rechtfertige, sagte der Klinikchef. Gerade im Jugendalter sei zudem oft schwer verlässlich einzuschätzen, wie stabil ein solches Erleben und der Leidensdruck über die Zeit bleiben, so Roessner. Umso wichtiger seien sorgfältige Abklärung und Beratung, um Fälle mit erheblichem Leidensdruck von anderen Entwicklungs- und Belastungsproblemen abzugrenzen.
Operative Eingriffe können irreversible Folgen haben
«Mit der wachsenden Zahl an Hilfesuchenden steigt auch der Anteil Minderjähriger, die medizinische Maßnahmen zur Angleichung ihres Körpers an das empfundene Geschlecht wünschten – etwa Pubertätsblocker oder Hormone, in einzelnen Fällen auch operative Eingriffe. Solche Maßnahmen können weitreichende, teils irreversible Folgen haben. Zugleich kann auch Abwarten Risiken und zusätzliche Belastungen bedeuten», sagte Roessner.