Der Leipziger Demokratieforscher Oliver Decker vermutet hinter der umstrittenen Äußerung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zu Auswirkungen von Migration im Stadtbild keinen verbalen Ausrutscher, sondern ein bewusstes Manöver. «Herr Merz bewegt sich mit Absicht an eine Grenzlinie», sagte Decker der Deutschen Presse-Agentur. Der Kanzler spreche bestimmte Ressentiments selbst nicht offen aus, «aber er weiß, dass die Hinweise verstanden werden und er damit gleichzeitig die Ressentiments bedient, ohne den Teil der CDU vor den Kopf zu stoßen, die sie nicht teilen».
Hintergrund sei, dass sich die CDU derzeit in einer Zwickmühle befinde, sagte Decker der dpa. «Es gibt Kräfte in ihr, die es zur AfD hinzieht, und ebensolche, für die die AfD-Programmatik mit den CDU-Werten nicht vereinbar ist.» Zwischen diesen Polen versuche Merz mit seinen «eher geraunten als ausgesprochenen Ressentiments zu manövrieren».