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Dresdner Schlössernacht: Über 6.000 Kultur-Spaziergänger unterwegs

Schlössernacht
Feuerwerk mit Lingnerschloss (Bild: Claudia Jacquemin)
Von: Ulrich van Stipriaan
Die 16. Dresdner Schlössernacht lockte bei perfektem Sommerwetter Tausende an die Elbhänge. Zwischen überfüllten Bahnen, Kulinarik, Musik und Feuerwerk wurde der Kulturspaziergang zum Erlebnis.

Sardinen in der Dose haben es gut. Sie liegen eng beieinander – aber sie liegen. Menschen in der Elf auf dem Weg zur oder auf dem Weg von der 16. Dresdner Schlössernacht können da nicht mithalten: die Bahnen sind mehr als voll, und nach Mitternacht sind sie sogar mehr als proppevoll – zur Geisterstunde fuhr die Elf als einziger ÖPNV-Zubringer der Schlössernacht nur noch im Halbstundentakt. Es brauchte schon viel Mut, sich da noch reinzuquetschen – aber gut gelaunte Menschen nehmen das zur Geisterstunde ja gelassen hin. Es sei denn, sie wurden Opfer von so von mir noch nie gesehenen Fahrscheinkontrollen: auf dem Hinweg lustigerweise schon an der Waldschlösschenbrücke, mit Großaufgebot – aber ohne Sinn und Verstand. Kann man machen, muss man aber nicht.

Aber wie bei einem Sandwich oder einem Hamburger: zwischen den beiden äußeren Erlebnisschichten liegt der wahre Genuss, und der konnte an dieser rein wettertechnisch vorbildlichen Sommernacht besser nicht sein. Das mit dem Wetter ist nämlich so: entweder es schüttet immer wieder mal, so dass man klamm durch die Nacht schleicht – aber bei der hilflosen Suche nach einem trockenen Plätzchen unter einer Bogenbrücke zusammenkuschelt und auf diese Art nette Leute kennenlernt (so war’s in der Elf auf dem Heimweg übrigens auch: rundum Gäste von außerhalb, teils mit Flaschen von Schloss Proschwitz als Wegzehrung, aber alle sehr entspannt). Manchmal ist es auch zu heiß – bei 40 Grad unter der Hitzeglocke jagt man ja vor Sonnenuntergang nicht mal eine wärmeliebende Eidechse vor die Tür. So aber: alles perfekt.

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Was ist im interessanten Teil des Open-Air-Sandwichs? Als Grundlage einfach das zauberhafte Areal rund um Schloss Albrechtberg, Schloss Eckberg und Lingnerschloss (mit der Außenstation Saloppe). Die 6.000 Gäste haben hier die Qual (nun ja, es gibt Schlimmeres) von 250 Künstlern auf 15 Bühnen in den diversesten Stilrichtungen – von Rock bis Jazz, von Latin Musik über Indie Pop bis hin zu handgemachten Gitarrenklängen. Die Wege zwischen den Stationen summieren sich auf über sechs Kilometer, die wollen auch erst mal gelaufen werden. Das Nachsehen hatten diejenigen, die sich für festlichere als sportliche Schuhe entschieden hatten. Sowieso: die Kleiderfrage. Vor allem die Damenwelt nutzte die Chance auf Glamour und Glitter in der leichten Sommervariante. Dazu passen natürlich keine Schuhe, nicht einmal Marken-Sneaker. Aber: es gab ja das Schloss Albrechtsberg als bekannte VIP-Location (100% mehr Parkett als Schotterweg) und die neue VIP-Location Zwo im Lingnerschloss – auch Parkett, aber auch Treppen hoch zur tollen Terrasse und ungünstigstenfalls nicht nur asphaltierte Wege. Die Mannsleute übrigens waren meist deutlich legerer gekleidet – just saying.


Wer auf dem Kulturspaziergang von Bühne zu Bühne unterwegs war, brauchte auch schon mal Geduld. Zwischen Albrecht und Lingner bewegte sich ein Walking Act, dessen Beschreibungsbestandteil „walking“ irreführend war. Ich nannte die herrlich nahezu am Stillstand voranschreitende Truppe „die langsamen Schnecken“ – im Programmheft habe ich sie nicht gefunden, also bleibt’s dabei. Aber statt diese Entdeckung der Langsamkeit am lauen Sommerabend zu genießen, gab es die offenbar unvermeidlichen Muffelbrausen, die zornig (ja, wirklich: zornig) schimpften, weil sie die langsamen Schnecken nicht überholen konnten und andere Schlössernachtgäste mit mehr Zeit nicht einmal dran dachten, ihre Langzeitbeobachtung zu unterbrechen und somit im Weg standen. Waren sie sich doch sicher, dass auch die Langsamen es nicht weit hatten, um an einem der 65 Stände mit kulinarischen Verlockungen das Tempo endgültig zu drosseln, um für ihr leibliches Wohl zu sorgen. Von Langos bis Garnelen, vom frisch gezapften Meißner Schwerter Bier bis zum gut gekühlten Proschwitzer Wein war die Bandbreite gewohnt groß – und wenn Thüringer Bratwurst zwischen dem schon erwähnten regionalen Bier und dem ebenso regionalen Wein der hiesigen Winzergenossenschaft angeboten wird, kommt man selbst im Schneckentempo schnell auf die Kosten.

Zu den üblichen Lustverdächtigen gehört natürlich auch das Feuerwerk, das am anderen Elbufer gen Himmel geschickt wird. Die meisten Fotografen haben gerne das Albrechtsschloss im Vordergrund, aber sie müssen selbst schon selber sehr hoch stehen (Tische! Leitern!), um einen zauberhaften Blickwinkel hinzubekommen. Direkt an der Elbe hat man keinen Vordergrund und sieht auch die tiefen Lichtfontänen – irgendeinen Fototod stirbt man halt immer. Und dann sollte man noch erwähnen, dass die Dresdner (alle Geschlechter inklusiv gemeint) gerne abhotten. Schon im Hellen bei den rockigen Konzerten, später auch im Heizhaus (was ein durchaus korrekter Name ist, wenn das richtig bedenkt) oder open air am Tanzlokal (heißt laut Programm wirklich so) Roseninsel von Tom Roeder.

Der Termin der 17. Dresdner Schlössernacht 2027 steht bereits fest – am 17.7.27 ab 17 Uhr. Vielleicht dann ja auch mit dem Zeitplan der langsamen Schnecken, um die einschlägigen Wege zum Runterkommen zu benutzen 😉

Ulrich van Stipriaan
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Ulrich van Stipriaan

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