Neugeborene kommen mit einem kostbaren Begleiter auf die Welt: der Nabelschnur. Sie wird nach der Geburt meist weggeworfen. Doch Forschende am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden haben erkannt, welcher medizinische Schatz darin steckt. Aus dem Gewebe gesunder Nabelschnur gewinnen sie spezielle Zellen. Diese könnten schwer kranken Menschen helfen.
Patienten, die wegen einer schweren Covid-Infektion auf der Intensivstation lagen, hatten nach der Behandlung mit diesen Zellen in einer Studie unter Dresdner Beteiligung ein deutlich geringeres Sterberisiko. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse im Fachjournal "Stem Cell Reports“. "Wir sind stolz, dass der in Dresden entwickelte Ansatz für eine zelluläre Therapie bei Frühgeborenen das Potenzial hat, auch das Leben Erwachsener zu retten", sagt Prof. Mario Rüdiger, Direktor des Zentrums für feto-neonatale Gesundheit am Dresdner Uniklinikum.
Sachsen als Standort für Zelltherapie der Zukunft
Die Studie wurde in Kanada durchgeführt, am Ottawa Health Research Institute. Die Zellen dafür kamen aber aus Dresden. Weil die Pandemie vor Erreichen der geplanten Teilnehmerzahl endete, braucht es weitere Forschung. Deshalb läuft seit 2024 in Kanada eine größere Studie mit 296 Teilnehmenden. Diesmal für Menschen mit schwerer Sepsis, einer lebensbedrohlichen Reaktion des Körpers auf Infektionen. Auch dafür liefert Dresden die Zellen.
Eingebunden ist die Arbeit in das Projekt SaxoCell, gefördert vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Ziel ist es, Sachsen als Standort für zellbasierte Therapien zu stärken. "Wenn sich die Daten der Covid-Studie auch bei Erwachsenen mit schwerer Sepsis reproduzieren lassen, dann würde eine ursprünglich aus der Neonatologie stammende Therapie die Behandlung bei Erwachsenen revolutionieren", fasst Rüdiger zusammen.