Logo Die Sachsen News
Nachrichten / Wissensland

Nabelschnur-Zellen senken Sterberisiko bei schwerem Covid

Nadine Münch und Dr. Daniel Freund versenden die ersten in Dresden entwickelten Nabelschnur-Stammzellen zur Studie nach Kanada.
Nadine Münch und Dr. Daniel Freund vom Uniklinikum Dresden beim Verschicken der ersten Nabelschnur-Stammzellen nach Kanada. © Magdalena Gonciarz
Von: Wissensland
Aus der Nabelschnur gesunder Neugeborener gewinnen Dresdner Forschende Stammzellen, die Leben retten können. Eine aktuelle Studie zeigt: Die am Uniklinikum Carl Gustav Carus entwickelten Zellen senken die Sterblichkeit bei schwerer Covid-Erkrankung. Jetzt sollen sie auch bei Sepsis helfen.

Neugeborene kommen mit einem kostbaren Begleiter auf die Welt: der Nabelschnur. Sie wird nach der Geburt meist weggeworfen. Doch Forschende am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden haben erkannt, welcher medizinische Schatz darin steckt. Aus dem Gewebe gesunder Nabelschnur gewinnen sie spezielle Zellen. Diese könnten schwer kranken Menschen helfen.

Patienten, die wegen einer schweren Covid-Infektion auf der Intensivstation lagen, hatten nach der Behandlung mit diesen Zellen in einer Studie unter Dresdner Beteiligung ein deutlich geringeres Sterberisiko. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse im Fachjournal "Stem Cell Reports“. "Wir sind stolz, dass der in Dresden entwickelte Ansatz für eine zelluläre Therapie bei Frühgeborenen das Potenzial hat, auch das Leben Erwachsener zu retten", sagt Prof. Mario Rüdiger, Direktor des Zentrums für feto-neonatale Gesundheit am Dresdner Uniklinikum.

Mehr aus dieser Kategorie

Wenn das Immunsystem zur Gefahr wird

Bei einer schweren Covid-Erkrankung reagiert der Körper manchmal zu heftig. Das Immunsystem schlägt über die Stränge und greift eigene Organe an. Ein lebensbedrohlicher Zustand. Genau hier kommen die sogenannten mesenchymalen Stromazellen ins Spiel, kurz MSC. Sie wirken entzündungshemmend und können dazu beitragen, das außer Kontrolle geratene Immunsystem zu beruhigen.

Ursprünglich hat das Dresdner Team unter Dr. Marius A. Möbius und Dr. Daniel Freund diese Zellen entwickelt, um extrem früh geborenen Babys zu helfen, die an einer chronischen Lungenerkrankung leiden. Ein neues Verfahren erlaubt es, aus Nabelschnüren eine ausreichend große Menge sehr junger, hochwertiger Zellen zu gewinnen. Das galt bislang als zentrales Hindernis. Mit dem neuen Verfahren ist hier nun ein entscheidender Fortschritt gelungen.

Sachsen als Standort für Zelltherapie der Zukunft

Die Studie wurde in Kanada durchgeführt, am Ottawa Health Research Institute. Die Zellen dafür kamen aber aus Dresden. Weil die Pandemie vor Erreichen der geplanten Teilnehmerzahl endete, braucht es weitere Forschung. Deshalb läuft seit 2024 in Kanada eine größere Studie mit 296 Teilnehmenden. Diesmal für Menschen mit schwerer Sepsis, einer lebensbedrohlichen Reaktion des Körpers auf Infektionen. Auch dafür liefert Dresden die Zellen.

Eingebunden ist die Arbeit in das Projekt SaxoCell, gefördert vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Ziel ist es, Sachsen als Standort für zellbasierte Therapien zu stärken. "Wenn sich die Daten der Covid-Studie auch bei Erwachsenen mit schwerer Sepsis reproduzieren lassen, dann würde eine ursprünglich aus der Neonatologie stammende Therapie die Behandlung bei Erwachsenen revolutionieren", fasst Rüdiger zusammen.

Wissensland
Artikel von

Wissensland

Wissensland ist für die Inhalte selbst verantwortlich. Es gilt der Kodex der Plattform. Die Plattform prüft und behandelt Inhalte gemäß den gesetzlichen Vorgaben, insbesondere nach dem NetzDG.

METIS