Ein Reaktorunfall, ein Störfall in einer Nuklearanlage oder kontaminiertes Essen: Radioaktive Stoffe können in den menschlichen Körper gelangen. Doch was passiert dann genau in unseren Organen? Und wie kann man die gefährlichen Eindringlinge wieder loswerden? Ein Forschungsteam der Technischen Universität Dresden (TUD) hat diese Fragen jetzt erstmals systematisch untersucht.
Im Mittelpunkt stehen Americium und Curium. Beide Elemente entstehen bei der Nutzung von Kernenergie. Sie sind radioaktiv und giftig zugleich. Gelangen sie über kontaminierte Nahrung in den Körper, lagern sie sich in Leber, Knochen und Nieren ab. Dort richten sie doppelten Schaden an. Einmal als chemische Giftstoffe und durch ihre Strahlung. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Ecotoxicology and Environmental Safety" veröffentlicht.
Welches Gegenmittel wirklich hilft
Gegen eine Vergiftung mit radioaktiven Stoffen gibt es spezielle Medikamente. Sie heißen Dekorporationsmittel und sollen die gefährlichen Elemente binden und aus dem Körper spülen. Die Forschenden verglichen zwei solcher Mittel: DTPA und LIHOPO. Beide wirken grundlegend verschieden.
DTPA verhindert, dass Americium überhaupt in die Zellen eindringt. LIHOPO dagegen dringt mit dem gebundenen Americium in die Zellen ein. Das klingt zunächst schlechter. Doch genau das könnte der entscheidende Vorteil sein. Unter den Bedingungen der Laborversuche führte dies zwar zu einer höheren Aufnahme in die Zellen. Im menschlichen Körper könnten diese Verbindungen jedoch helfen, bereits eingelagertes Americium wieder herauszulösen und abzutransportieren. "LIHOPO besitzt das Potential, bereits in Zellen eingelagertes Americium wieder zu mobilisieren, wohingegen DTPA lediglich Americium binden kann, welches im Blutkreislauf zirkuliert", erklärt Christian Senwitz, ehemaliger Doktorand der Professur für Radiochemie/Radioökologie der TUD.
Diese Erkenntnisse helfen dabei, bessere Behandlungen nach Strahlenunfällen zu entwickeln und den Strahlenschutz insgesamt zu verbessern. Forschung, die man hoffentlich nie braucht. Die aber lebensrettend sein kann, wenn es darauf ankommt.
Publikation:
Heller, A. und Senwitz, C. et al. (2025): Am/Cm(III) and DTPA/LIHOPO interactions with renal cells in vitro studied by bioassays, luminescence spectroscopy, and microdosimetry. Ecotoxicology and Environmental Safety 307, 119445.