Das Eis schmilzt: Sächsische Forscher messen Gletscherschwund in Patagonien
Das Eis am Ende der Welt verschwindet. Patagonien, ganz im Süden Argentiniens, beherbergt die größten Eismassen der südlichen Halbkugel außerhalb der Antarktis. Doch auch hier frisst der Klimawandel sich voran.
Anfang März 2026 kehrten Wissenschaftler der Technischen Universität Dresden (TUD) und des Bundesamts für Kartographie und Geodäsie (BKG) Leipzig von einer vierwöchigen Expedition zurück. Im Gepäck hatten sie neue Messdaten vom östlichen Rand des südlichen Patagonischen Eisfelds bis zur Atlantikküste.
Schwerkraft als präzises Messinstrument
Um diese Eismassenänderung zu vermessen, realisieren Mirko Scheinert von der Professur für Geodätische Erdsystemforschung der TUD und Axel Rülke vom BKG Leipzig ein gemeinsames Forschungsprojekt, das durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird. Für ihre Arbeit setzen die Forschenden ein ungewöhnliches Werkzeug ein: die Absolutgravimetrie. Sie misst, wie stark die Erde an einem bestimmten Ort zieht. Wo Eis liegt, zieht die Erde stärker. Wo Eis schmilzt, lässt diese Anziehung nach.
"Das hierbei benutzte Absolutgravimeter vom Typ FG-5 ist in der Lage, kleinste Schwereänderungen zu messen. Die Schwerebeschleunigung in einer Größenordnung von ungefähr 9,8 m/s² kann so auf die achte Nachkommastelle genau erfasst werden", erklärt Projektleiter Rülke. Vereinfacht gesagt bedeutet das eine Messgenauigkeit, die selbst winzigste Eismassenverluste sichtbar macht. Ergänzend nutzen die Wissenschaftler Satelliten-Navigationssysteme (GNSS), um Höhenveränderungen im Boden zu erfassen. Denn wenn Eis verschwindet, hebt sich die Erdkruste darunter langsam an.
Drei Platten, drei Kampagnen, ein Ziel
Die Region ist geologisch besonders anspruchsvoll. Drei tektonische Platten treffen aufeinander: die Nazca-, die Südamerika- und die Antarktisplatte. Das macht Messungen und ihre Auswertung komplizierter. Das DFG-geförderte Projekt namens GravPatagonia konnte 2026 nun seine dritte Messkampagne abschließen, nach 2020 und 2022.
Beteiligt waren neben Dresdner und Leipziger Forschenden auch Kollegen aus Argentinien. Die Auswertung aller drei Kampagnen soll zeigen, wie das Eisfeld auf den Klimawandel reagiert. Internationale Studien belegen bereits: Zwischen 2000 und 2012 verloren die beiden Patagonischen Eisfelder gemeinsam 24,4 Gigatonnen Eis pro Jahr Bildungsserver. Eine Menge, die sich seitdem weiter erhöht hat. Die neuen Dresdner Messdaten sollen helfen, diesen Verlust noch genauer zu verstehen.