Der Umweg lohnt, heißt es beim Michelin, wenn es um Restaurants mit zwei Sternen geht. Die Herrschaften nehmen dann weite Wege in Kauf und kommen natürlich meistens mit dem Auto. Wir hatten beim ersten Besuch rund zwölf Kilometer Fußweg Anlauf genommen, um Stubbe’s Haring zu besuchen – und gehen seitdem bei jedem Amsterdam-Besuch wieder hin, gerne auch mit der Tram näher ran. Stubbe’s Haring hat aber gar keine zwei Sterne, es ist nicht einmal ein Restaurant, sondern eine Imbissbude. Aber eine mit Stil!
Was dem Bochumer seine Currywurst und dem Dresdner sein Döner, ist dem Amsterdamer der Hering. Vor allem Ende Mai/Juni, wenn die Matjes (die Jungfräulichen, oder niederländisch Maatjesharing) auf den Markt kommen. Wir sind aber meistens Ende April/Anfang Mai da und aßen also den ollen Hering – aber egal, denn der schmeckte uns auch. Und Hollandse Nieuwe haben wir dann später in Dresden gekauft.
Zurück zur Familie Stubbe, die ihren Imbiss an der Haarlinger Schleuse am Anfang des Singel (so heißt die innere Gracht) seit 1903 platziert hat. Der Platz liegt strategisch gut am Anfang der Haarlemer Straat, einer belebten Einkaufs- und Kneipenstraße, und ganz in der Nähe des Hauptbahnhofs (Fußweg bis zum Stubbe: etwa zehn Minuten). Im Angebot sind allerlei Dinge aus dem Meer, was man so an Fischbuden erwartet: Krabben, Aal, Makrelen, Lachs – und alles sieht gut aus. Aber wenn der Ort schon Stubbe’s Haring heißt, dann sollte man doch, bitteschön, auch Hering bestellen. So taten wir es und all die anderen auch.