Was blüht da eigentlich? Der eigene Garten wird zum Forschungsfeld
Kohlrabi neben Brennnessel, Rosen neben Wildkraut – viele Gärten beherbergen deutlich mehr Pflanzenarten, als ihre Besitzer vermuten. Doch wie vielfältig Deutschlands Gärten tatsächlich sind, ist wissenschaftlich bislang kaum untersucht. Das Projekt GartenDiv will das ändern. Es setzt dabei auf die Hilfe von Hobbygärtnern.
Ab dem 22. Mai, dem Internationalen Tag der Biodiversität, starten die sogenannten GartenDiv-Tage. Bis zum Sommeranfang am 21. Juni sind Menschen aus ganz Deutschland eingeladen, möglichst alle Pflanzen in ihrem Garten zu fotografieren und zu dokumentieren. Eine App erkennt die Pflanzen automatisch. Wer mitmacht, liefert Daten für die Forschung zur Artenvielfalt in deutschen Gärten. Das Projekt GartenDiv läuft seit Mai 2025 und wird von der Universität Leipzig und dem Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) koordiniert. Partner sind das Julius Kühn-Institut, der Bundesverband der Kleingartenvereine Deutschlands und die App Flora Incognita.
Fast 170.000 Beobachtungen im ersten Jahr
Die Bilanz des Pilotjahres kann sich sehen lassen. Knapp 2.500 Gärtnerinnen und Gärtner haben eine eigene Garten-ID angelegt und anonym ihre Beobachtungen eingereicht. Zusammen kamen 169.205 Einträge zu 4.458 verschiedenen Pflanzenarten zusammen. Von Hausgärten über Kleingärten bis hin zu Balkonen und Schulgärten.
Dabei zeigte sich bereits ein interessantes Muster: 28 Prozent der erfassten Arten gelten in Deutschland als heimisch, 72 Prozent nicht. Viele dieser Pflanzen wurden ursprünglich aus anderen Regionen der Welt eingeführt oder haben sich über lange Zeit verbreitet. Welche Auswirkungen diese Mischung auf die Artenvielfalt in Gärten hat, wollen die Forschenden nun genauer untersuchen.
Vollständig erfassen – auch das vermeintliche Unkraut
Im zweiten Jahr liegt der Schwerpunkt auf möglichst vollständigen Aufzeichnungen. "Teilnehmende sollen dazu ermutigt werden, alle Pflanzen in ihrem Garten aufzunehmen, ausdrücklich auch Obst- und Gemüsepflanzen, Wildpflanzen, auch die unscheinbaren Kräuter und kleinen Pflanzen, die man leicht übersieht", erklärt Ingmar Staude vom Institut für Biologie der Universität Leipzig.
Neu in dieser Runde sind auch spielerische Elemente. Wer 100 Pflanzenarten im eigenen Garten dokumentiert, bekommt ein digitales Goldenes Abzeichen. "Die Weiterentwicklungen greifen Rückmeldungen aus der Community auf, die unter anderem direkt über die App eingebracht wurden", sagt Staude. Die App Flora Incognita wurde gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut für Biogeochemie und der Technische Universität Ilmenau für GartenDiv angepasst. Sie erkennt Pflanzen automatisch per Foto.
Mitmachen und zum Forschenden im eigenen Garten werden, kann jeder – das ganze Jahr über.