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Schildkröten in Deutschland: 14 von 15 Arten sind nicht heimisch

Schildkröten wie die Nordamerikanische Buchstaben-Schmuckschildkröte werden in Deutschland ausgesetzt.
Die Nordamerikanische Buchstaben-Schmuckschildkröte landet häufig als ausgesetztes Haustier in deutschen Gewässern. © Johannes Penner
Von: Wissensland
In deutschen Teichen und Seen tummeln sich Schildkröten, doch die meisten davon gehören gar nicht hierher. Eine neue Studie der Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen Dresden zeigt: 14 von 15 nachgewiesenen Wasserschildkrötenarten sind eingeschleppt, meist durch ausgesetzte Haustiere. Das könnte für heimische Ökosysteme zum Problem werden.

Über diesen Anblick freuen sich viele: eine Schildkröte in einem städtischen Teich. Ein schönes Stück Natur, werden dann viele von ihnen denken. Und liegen damit falsch. In den meisten Fällen ist das Tier im Teich kein Teil des natürlichen Ökosystems, sondern ein ausgesetztes Haustier. Das zeigt eine neue Studie zu Schildkröten in Deutschland, die jetzt erschienen ist.

Forschende der Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen Dresden haben gemeinsam mit Kollegen vom Museum für Naturkunde Berlin untersucht, welche Schildkrötenarten in Deutschland tatsächlich vorkommen. Für ihre Analyse wertete das Team 1.770 Schildkröten-Nachweise aus wissenschaftlichen Veröffentlichungen und Bürgerforschungsprojekten aus.

Von 15 Wasserschildkrötenarten, die in der freien Natur nachgewiesen wurden, ist nur eine einzige ursprünglich heimisch – die Europäische Sumpfschildkröte. Alle anderen 14 Arten wurden eingeschleppt, meist durch Menschen, die ihre Haustiere ausgesetzt haben.

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Die Schmuckschildkröte, ein millionenfach gehandeltes Tier

Mit Abstand am häufigsten taucht dabei die Nordamerikanische Buchstaben-Schmuckschildkröte auf. Sie stammt aus der Mississippi-Region der USA und wurde seit den 1950er Jahren weltweit millionenfach als Haustier verkauft. Rund 70 Prozent aller erfassten Schildkröten-Nachweise in Deutschland entfallen auf diese Art. "2016 wurde Trachemys scripta in die EU-Liste der unerwünschten Spezies aufgenommen. Auch in Deutschland hat sich die eingeschleppte Schildkröte etabliert und kommt in zahlreichen Gewässern vor", erläutert Dr. Melita Vamberger von den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen Dresden.

Die Europäische Sumpfschildkröte gilt zwar als ursprünglich heimische Art. Mit Ausnahme einiger Bestände in Brandenburg gehen viele heutige Vorkommen jedoch ebenfalls auf Aussetzungen zurück.

Besonders auffällig ist die Verteilung. Die meisten Tiere finden sich in Städten und stadtnahen Gebieten rund um Hamburg, Frankfurt, Stuttgart, München oder im Ruhrgebiet. In Ostdeutschland gibt es einen größeren Schwerpunkt nur rund um Berlin sowie vereinzelt bei Leipzig. Die Forschenden sehen darin einen deutlichen Hinweis darauf, dass viele Tiere ursprünglich als Haustiere gehalten und später ausgesetzt wurden.

„Das Muster bestätigt einen engen Zusammenhang zwischen der Verbreitung der Tiere und menschlicher Präsenz. Es deutet stark darauf hin, dass menschliche Aktivitäten – insbesondere das Aussetzen von Haustieren – eine entscheidende Rolle spielen", sagt Erstautorin Hedi Schloddarick, die die Studie im Rahmen ihres Studiums mitverfasst hat.

Klimawandel könnte das Problem verschärfen

Bislang haben sich drei der 14 fremden Arten dauerhaft in freier Natur etabliert und pflanzen sich selbständig fort. Offiziell als invasiv, also als ernsthaft schädlich für das heimische Ökosystem, gilt bisher nur die Buchstaben-Schmuckschildkröte. Doch die Forschenden warnen: Das könnte sich ändern. "Durch den Klimawandel könnten sich künftig mehr Arten erfolgreich vermehren, eventuell ausbreiten und stärkere Auswirkungen auf heimische Ökosysteme verursachen", erklärt Vamberger. Steigende Temperaturen könnten es weiteren Arten erleichtern, sich dauerhaft in Deutschland fortzupflanzen und neue Lebensräume zu besiedeln.

Deshalb hat das Team bei Senckenberg das Projekt "AquaSchild" ins Leben gerufen. Dort arbeiten Forschende, Behörden, Tier- und Naturschützende sowie Bildungseinrichtungen gemeinsam an Lösungen für den Umgang mit gebietsfremden Arten. Außerdem ruft das Team zur Mithilfe auf. Über die Plattform iNaturalist können Schildkrötenbeobachtungen im Projekt "Turtles of Germany" gemeldet werden.

"Je mehr Menschen sich beteiligen, desto besser lassen sich Verbreitung und Ausbreitung nicht-heimischer Schildkrötenarten in Deutschland nachvollziehen und gezielt Schutzmaßnahmen für Tiere und Ökosysteme entwickeln", sagt Frederic Griesbaum vom Museum für Naturkunde Berlin.


Originalveröffentlichung:
Schloddarick H, Griesbaum F, Vamberger M, Penner J (2026) Striking diversity and distribution of non-native chelonians in Germany. NeoBiota 107: 207-224.

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