Auf dem Dach nebenan wächst Spinat. Im Park um die Ecke gedeihen Tomaten. Was ungewöhnlich klingt, könnte in Europas Städten deutlich realistischer sein als bislang gedacht. Eine neue Studie zeigt, dass urbane Landwirtschaft in europäischen Städten jährlich bis zu 20 Millionen Tonnen Gemüse produzieren könnte.
Das entspräche rund 28 Prozent des Gemüsebedarfs von 190 Millionen Menschen. Beteiligt an der Studie, die in der Fachzeitschrift "Sustainable Cities and Society" erschienen ist, war auch das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) in Dresden.
Die Stadt der kurzen Wege
Die Studie knüpft an ein Stadtplanungskonzept an, das derzeit viel diskutiert wird: die sogenannte "15-Minuten-Stadt". Gemeint ist eine Stadt, in der Menschen wichtige Ziele des Alltags innerhalb kurzer Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen können, idealerweise auch frische Lebensmittel.
"Durch die Integration der Landwirtschaft in die Stadtplanung könnten Städte den lokalen Zugang zu Lebensmitteln verbessern, den Transport von Lebensmitteln reduzieren, das Engagement der Gemeinschaft stärken und eine gesündere Ernährung fördern", sagt Diego Rybski vom IÖR. Gleichzeitig betonen die Forschenden, dass urbane Landwirtschaft klassische Landwirtschaft nicht ersetzen könne. "Die urbane Landwirtschaft sollte als ergänzender Bestandteil bestehender Ernährungssysteme betrachtet werden", sagt Mitautor Prajal Pradhan von der Universität Groningen.
Städte könnten künftig also weit mehr zur eigenen Lebensmittelversorgung beitragen als bisher angenommen.
Originalpublikation:
Svintsov, S.; Pradhan, P.; Smith, T.; Rybski, D. (2026): Integrating agriculture into European urban landscapes matters: A systematic assessment. In: Sustainable Cities and Society, 107422.