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Borkenkäfer, Feuer, Sturm: Waldschäden könnten sich bis 2100 verdoppeln

Was am Brocken bereits Realität ist, droht Europas Wäldern im großen Maßstab: Borkenkäfer, Stürme und Brände könnten die geschädigte Waldfläche bis 2100 verdoppeln.
Kahle Hänge am Brocken: Borkenkäfer haben dem Harz-Wald in den vergangenen Jahren schwer zugesetzt. Neue Forschung zeigt, dass solche Schäden in Europa künftig zunehmen werden. © pixabay/Sven Lachmann
Von: Wissensland
Kahle Hänge, tote Fichten, braune Flächen: Die Schäden in Europas Wäldern sind bereits heute sichtbar. Eine neue Studie zeigt nun, wie es weitergeht. Die Zahlen sind alarmierend. Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung der TU Dresden hat erstmals berechnet, was Brände, Stürme und Borkenkäfer bis zum Jahr 2100 anrichten könnten.

Wer in den vergangenen Jahren durch den Harz oder den Thüringer Wald gefahren ist, hat es gesehen: kahle Hänge, tote Bäume, braune Flächen, wo früher Grün war. Was viele als lokales Problem wahrnehmen, ist in Wirklichkeit ein gesamteuropäisches Phänomen. Es könnte sich in den kommenden Jahrzehnten erheblich verschärfen. Das zeigt eine neue Studie, die kürzlich in der Fachzeitschrift „Science" erschienen ist.

Ein großes internationales Forschungsteam um Rupert Seidl, Professor an der Technischen Universität München (TUM), hat erstmals berechnet, wie Waldbrände, Stürme und Borkenkäfer Europas Wälder bis zum Jahr 2100 verändern könnten. Mitautor ist Dominik Thom, Professor für Waldbau an der Technischen Universität Dresden (TUD). Die Berechnungen zeigen ein klares Bild: Selbst wenn die Erderwärmung auf etwa zwei Grad Celsius begrenzt wird, erwarten die Forschenden künftig mehr Waldschäden als in den ohnehin schon belasteten Jahren zwischen 1986 und 2020. Im schlimmsten Fall, bei einer Erwärmung von mehr als vier Grad, könnte sich die geschädigte Waldfläche sogar mehr als verdoppeln.

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Millionen Datenpunkte, ein klares Bild

Um diese Vorhersagen zu treffen, nutzten die Forschenden ein KI-gestütztes Simulationsmodell. Sie trainierten es mit 135 Millionen Datenpunkten aus Waldsimulationen für 13.000 Orte in ganz Europa und ergänzten die Ergebnisse mit Satellitendaten. So konnten sie das Auftreten von Waldschäden bis auf einen Hektar genau berechnen. Das entspricht etwa der Fläche eines Fußballfeldes.

Besonders stark betroffen sein werden laut der Studie die Wälder in Süd- und Westeuropa. In Nordeuropa fällt der Wandel geringer aus, doch auch dort entstehen sogenannte Hotspots, also Gebiete mit besonders hohen Schäden. "Störungen werden zunehmend überregional zum Problem, bringen die Holzmärkte in ganz Europa durcheinander und gefährden die Gemeinwohlleistungen des Waldes", sagt Seidl. Gemeint ist damit alles, was der Wald für uns leistet. Er speichert Kohlenstoff, liefert Holz, gibt Tieren Lebensraum und schützt Trinkwasser. All diese Leistungen könnten sich künftig deutlich verändern.

Chancen im Wandel nutzen

Die Forschenden sehen die Entwicklung aber nicht nur als Bedrohung. "Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir auch in den nächsten Jahren große Schäden im Wald haben werden", sagt Seidl. Störungen böten jedoch auch die Chance, einen neuen, klimaangepassten Wald zu begründen. Sie wirkten als "Katalysatoren der Veränderung". Diesen Risiken und Chancen müsse sich die Forstwirtschaft stellen, unterstützt durch neue wissenschaftliche Methoden.

Die Ergebnisse fließen damit direkt in die Debatte darüber ein, wie Wälder künftig bewirtschaftet werden sollen. Damit der Wald auch für kommende Generationen erhalten bleibt.


Publikation:
Grünig, M.; Rammer, W.; Senf, C. et al 2026. Climate change will increase forest disturbances in Europe throughout the 21st century, Science, in press

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