Wer in den vergangenen Jahren durch den Harz oder den Thüringer Wald gefahren ist, hat es gesehen: kahle Hänge, tote Bäume, braune Flächen, wo früher Grün war. Was viele als lokales Problem wahrnehmen, ist in Wirklichkeit ein gesamteuropäisches Phänomen. Es könnte sich in den kommenden Jahrzehnten erheblich verschärfen. Das zeigt eine neue Studie, die kürzlich in der Fachzeitschrift „Science" erschienen ist.
Ein großes internationales Forschungsteam um Rupert Seidl, Professor an der Technischen Universität München (TUM), hat erstmals berechnet, wie Waldbrände, Stürme und Borkenkäfer Europas Wälder bis zum Jahr 2100 verändern könnten. Mitautor ist Dominik Thom, Professor für Waldbau an der Technischen Universität Dresden (TUD). Die Berechnungen zeigen ein klares Bild: Selbst wenn die Erderwärmung auf etwa zwei Grad Celsius begrenzt wird, erwarten die Forschenden künftig mehr Waldschäden als in den ohnehin schon belasteten Jahren zwischen 1986 und 2020. Im schlimmsten Fall, bei einer Erwärmung von mehr als vier Grad, könnte sich die geschädigte Waldfläche sogar mehr als verdoppeln.
Chancen im Wandel nutzen
Die Forschenden sehen die Entwicklung aber nicht nur als Bedrohung. "Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir auch in den nächsten Jahren große Schäden im Wald haben werden", sagt Seidl. Störungen böten jedoch auch die Chance, einen neuen, klimaangepassten Wald zu begründen. Sie wirkten als "Katalysatoren der Veränderung". Diesen Risiken und Chancen müsse sich die Forstwirtschaft stellen, unterstützt durch neue wissenschaftliche Methoden.
Die Ergebnisse fließen damit direkt in die Debatte darüber ein, wie Wälder künftig bewirtschaftet werden sollen. Damit der Wald auch für kommende Generationen erhalten bleibt.
Publikation:
Grünig, M.; Rammer, W.; Senf, C. et al 2026. Climate change will increase forest disturbances in Europe throughout the 21st century, Science, in press