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Wunderstoff im Erzgebirge? Sachsen könnte Energie-Revolution erleben

Wunderstoff im Erzgebirge? Sachsen könnte Energie-Revolution erleben
Die Bedingungen für die natürliche Entstehung von Wasserstoff sind in Sachsen besonders günstig, glaubt Professor Moh'd Amro von der TU Bergakademie Freiberg. / Foto: Sebarian Münster/dpa
Von: DieSachsen News
Im Erzgebirge könnten geologische Bedingungen die Entstehung von natürlichem Wasserstoff ermöglichen. Gezielt gesucht wurde danach bislang nicht. Ein Experte will das gern ändern.

Sachsen bringt besonders günstige geologische Voraussetzungen für das Vorkommen von sogenanntem weißen Wasserstoff mit. Eisenhaltige Gesteine, wie sie etwa im Erzgebirge vorkommen, könnten unter passenden Bedingungen die Basis dafür sein, dass Wasserstoff im Untergrund auf natürliche Weise entsteht, sagte Professor Moh’d Amro, Direktor des Instituts für Bohrtechnik und Fluidbergbau an der TU Bergakademie Freiberg, der Deutschen Presse-Agentur.

Bisher wird Wasserstoff vor allem aus fossilen Energieträgern wie Erdgas gewonnen oder per Elektrolyse hergestellt. «Weißer» Wasserstoff entsteht dagegen in der Erdkruste: Wenn geeignete Gesteine mit Wasser reagieren, kann dabei Wasserstoff gebildet werden.

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«Wir wissen inzwischen, dass es weltweit Lagerstätten gibt, in denen Wasserstoff fortlaufend im Untergrund gebildet wird», sagte Amro mit Blick auf Funde etwa in Mali, Australien oder Sibirien. «Die Frage ist: Haben wir so etwas auch hier – und wenn ja, wo?»

Für Sachsen sieht der Bergbau-Experte mehrere Voraussetzungen erfüllt. Zum einen gebe es im Erzgebirge bekannte Vorkommen geeigneter magmatischer Gesteinstypen, aus denen durch chemische Reaktionen Wasserstoff entstehen kann.

Als Beispiel nennt Amro Serpentinit, der vor allem als Dekorationsstein genutzt wird. Seiner Verwendung und Geschichte in der Region widmet sich etwa das Heimatmuseum in der «Serpentinsteinstadt» Zöblitz im Erzgebirge. Zum anderen sei der Untergrund in der Region durch Jahrzehnte des Uran- und Erzbergbaus so gut dokumentiert wie kaum irgendwo sonst in Europa.

«Aus meiner Sicht sind die geologischen Bedingungen im Erzgebirge sehr vielversprechend», sagte Amro. Ausschlaggebend seien geeignete Gesteine, eine kontinuierliche Wasserzufuhr sowie passende Druck- und Temperaturverhältnisse. Außerdem brauche es ein dichtes Deckgebirge, das den Wasserstoff wie eine Falle zurückhalte. «Wenn diese Zutaten zusammenkommen, lohnt sich eine Bohrung, um nach Wasserstoff zu suchen.»

Wismut bestätigt «punktuelle» Messungen des Gases

Konkrete Belege für eine wirtschaftlich nutzbare Wasserstofflagerstätte gibt es in Sachsen bisher nicht. Das Sächsische Oberbergamt, das landesweit für Aufsicht und Genehmigung im Bergbau zuständig ist, sieht bislang praktisch keine Aktivitäten in diese Richtung. Der obersten Bergbaubehörde lägen «derzeit auch keine diesbezüglichen Anträge oder Anfragen» vor, teilte Leiter Bernhard Cramer auf Anfrage mit.

Auch die bundeseigene Wismut GmbH, die das Erbe des jahrzehntelangen Uranbergbaus in Sachsen und Thüringen verwaltet und bis heute Altstandorte saniert, berichtet nur von sehr vereinzelten Hinweisen. In den 1960er Jahren seien auf einer Sohle der Grube Schlema-Alberoda im Erzgebirge mehrere Gasaustritte untersucht worden, heißt es in einer Antwort des Unternehmens.

Dabei seien «punktuell» geringe Wasserstoffgehalte im austretenden Grubenwasser festgestellt worden. «Die Messungen hatten keinen Explorations-Charakter», betont das Unternehmen. Gezielt gesucht worden sei demnach nicht. Und auch eine «repräsentative Datengrundlage» gebe es trotz zahlreicher Bohrungen der früheren SDAG Wismut nicht.

Forscher suchen in Nordbayern und den Pyrenäen

Für den Bergbau-Experten Amro sind selbst diese punktuellen Hinweise dennoch bedeutsam. «Das reicht doch – das ist schon mal eine Indikation», sagte er mit Blick auf die Schlema-Messungen. Viele der bislang bekannten Wasserstoffquellen weltweit seien Zufallsfunde gewesen. Systematisch danach gesucht worden sei bisher kaum.

«Wir haben in Deutschland Tausende Bohrungen im Untergrund, vor allem aus der Erdöl- und Erdgas-Exploration», so Amro. «Aber Wasserstoff war bisher kein Thema – entweder wurde gar nicht darauf gemessen oder die Messgeräte waren nicht empfindlich genug.» Der Hintergrund: Die Nutzung natürlicher Quellen des farblosen Gases habe früher schlicht keine Rolle gespielt. Stattdessen sei es im Bergbau eher als Sicherheitsrisiko und Störfaktor wahrgenommen worden.

Nach Amros Ansicht sollte sich das nun ändern. Er verweist auf Kollegen der Uni Erlangen-Nürnberg, die in den Haßbergen in Nordbayern nach Wasserstoffvorkommen suchen. Vergleichbare Forschung gebe es auch in den Pyrenäen. Im Erzgebirge müssten Geologen zunächst präzise Hinweise liefern, wo Olivin- und Serpentinit-Gesteine tatsächlich vorkommen.

Danach könnten gezielte Bohrungen Kerne aus diesen Bereichen liefern, die im Labor darauf geprüft werden, ob sie Wasserstoff bilden. «Jede Bohrung liefert uns wertvolle Informationen über den Untergrund – im besten Fall sogar Wasserstoff.» Das Problem: Bohrungen sind teuer. Dafür braucht es Investoren, die jedoch bei unklarem Ausgang das Risiko scheuen.

Wasserstoff gilt künftig gesetzlich als Bodenschatz

Rechtlich gebe es für künftige Projekte keine Hürden, teilt das Oberbergamt mit. Wasserstoff und auch Helium gelten demnach seit der Verabschiedung des sogenannten Wasserstoff-Beschleunigungsgesetzes der Bundesregierung im Februar als Bodenschätze – so wie etwa Erdöl und Erdgas. Aus Sicht des Sächsischen Oberbergamts bestehen damit «derzeit keine Lücken betreffend Haftung, Monitoring oder Sicherheitsanforderungen».

Während andernorts – etwa in Mali oder Australien – bereits gezielt nach natürlichen Wasserstoffquellen gesucht wird oder diese teils schon genutzt werden, steht Sachsen noch ganz am Anfang. Amro sieht darin jedoch eine Chance: «Deutschland ist in vielen Technologien führend», sagt er. «Warum sollten wir nicht auch beim weißen Wasserstoff zu den Ersten gehören?» Nicht zuletzt soll das Gas eine wichtige Rolle beim Erreichen der Klimaziele spielen und künftig etwa durch frühere Erdgasleitungen fließen sowie die Industrie als Energieträger versorgen.

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