Sachsens Wirtschaft will keine verlängerte Werkbank sein und seine Stärken besser ausspielen. Neben einem starken Mittelstand und Handwerk sieht man dabei industrielle Kompetenz, Forschung und Entwicklung sowie die Mikroelektronik, Life Science, Künstliche Intelligenz und Robotik als Vorzüge des Freistaates. Nach einem Spitzengespräch in Dresden wurde dazu ein «Leitbild» für die sächsische Wirtschaft vorgestellt. Es soll zeigen, wo man im Jahr 2040 stehen möchte und dabei als Kompass dienen. Sachsen will bis dahin bundesweit unter die Top 3 beim Wachstum des Bruttoinlandsproduktes kommen, stellte Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) klar. Die sächsische Wirtschaft stehe unter erheblichem Druck, sagte Arbeitgeberpräsident Jörg Brückner. In den vergangenen drei Jahren habe die Industrie im Freistaat 19.000 Arbeitsplätze verloren. Um verloren gegangenes Vertrauen wiederzuerlangen, müsse die Politik endlich Reformen umsetzen. Die Beschäftigten müssten «mehr netto vom brutto» haben, der Staat müsse sich auf seine Kernaufgaben konzentrieren. «Die Herausforderungen aus den multiplen Krisen schlagen bereits massiv auf den Arbeitsmarkt und insbesondere die Industrie in Sachsen durch. Viele Beschäftigte sind verunsichert und bangen um ihre Jobs», betonte Daniela Kolbe, Chefin des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Sachsen. Jetzt müssten Regierung und die Sozialpartner an einem Strang ziehen und gemeinsam für sichere und gute Jobs mit Zukunft sowie die soziale Absicherung der Menschen in die Offensive gehen. Brückner räumte ein, dass man sich über das Ziel einig sei, aber in bestimmten Punkten auch unterschiedliche Vorstellungen zu den Wegen dahin habe. Die Wirtschaft positioniere sich für einen starken Sozialstaat - «für Bedürftige und für Leute, die in Not sind». Man müsse aber im internationalen Wettbewerb auch bestehen können. Mit einfachen Produkten werde man künftig nicht schaffen. «Da gibt es andere, die andere Grund- und Rahmenbedingungen haben. Dort wollen wir gar nicht hin.» Ziel sei es, eine Produkt- und Technologieführerschaft zu erlangen. Panter zufolge besitzt Sachsen zwar eine hervorragende Forschungslandschaft - selbst im internationalen Vergleich. Es gebe aber noch Luft nach oben, wenn es um den Transfer in Richtung Produkte gehe. Ein weiterer Punkt sei der Bürokratieabbau, da sei man sich mit der Wirtschaft und Gewerkschaften einig. Man müsse die langfristige Perspektive der sächsischen Wirtschaft im Blick haben und Leitplanken erstellen, an denen sich das Handeln ausrichten könne. Der Wirtschaftsminister hatten die Spitzen von Wirtschaft, Gewerkschaften und Regierungsfraktionen im Herbst 2025 zu einem ersten Spitzengespräch zur Lage Wirtschaft im Freistaat eingeladen. Jetzt fand das dritte Treffen statt, bei dem das Leitbild auf 25 Seiten ausformuliert wurde. In den einzelnen Kapiteln geht es nach einer Analyse immer um kurzfristige und langfristige Maßnahmen. Beim Ziel «Rückendeckung für unternehmerische Verantwortung» soll etwa die Firmennachfolge durch eine entsprechende Ausgestaltung der Schenkungs- und Erbschaftsteuer unterstützt werden. Für inhabergeführte Unternehmen schlägt man in Sachsen aufkommensneutrale Reformen vor. Die Erben und Nachfolger sollen verpflichtet werden, die fällige Summe in die Firma zu investieren und nur bei nicht vollständiger Erfüllung den Differenzbetrag als Steuer zu zahlen. Das würde ein «fantastisches Signal» an die Erben der Gründer senden, war Brückner überzeugt. Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehaltenSachsen möchte einen Spitzenplatz beim Wachstum einnehmen
DGB: Beschäftigte sind verunsichert und bangen um ihre Jobs
Wirtschaft will Produkt- und Technologieführerschaft erlangen
Betrag der Erbschaftsteuer lieber in die Unternehmen investieren