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Deutschlands digitale Brieftasche heißt d-you: Warum Dresden beim Start eine besondere Rolle spielt

Deutschlands digitale Brieftasche heißt d-you: Warum Dresden beim Start eine besondere Rolle spielt
Die d-you App soll am 2.1.2027 starten (Bild: BMDI)
Von: Thomas Wolf
Deutschland gibt seiner neuen digitalen Identität einen Namen: d-you soll ab Januar 2027 Personalausweis, Nachweise und weitere Dokumente aufs Smartphone bringen. Der Dresdner CDU-Bundestagsabgeordnete Markus Reichel begleitet das Projekt als Berichterstatter seiner Fraktion. Dresden ist zugleich eine der Städte, in denen die praktische Nutzung der europäischen digitalen Brieftasche bereits vorbereitet und erprobt wird.

Deutschland bekommt Anfang 2027 eine staatliche digitale Brieftasche. Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung hat sie am 9. September unter dem Namen d-you vorgestellt. Am 2. Januar 2027 soll die deutsche Variante der EUDI-Wallet starten. Zum Auftakt sind rund 40 Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung beteiligt.

Mit der Anwendung sollen Bürger ihren Personalausweis und weitere Nachweise auf dem Smartphone nutzen können. Geplant sind unter anderem Altersnachweise, Identifikationen für Bankgeschäfte und Vertragsabschlüsse. Später sollen weitere Dokumente und Funktionen hinzukommen. Die Nutzung ist kostenlos und freiwillig, bestehende analoge Möglichkeiten sollen erhalten bleiben.

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger erklärte bei der Vorstellung: „Mit d-you entwickeln wir eine digitale Anwendung, die echten Mehrwert bietet, den Menschen in den Mittelpunkt stellt und Vertrauen schafft. Die deutsche EUDI-Wallet ist nutzerfreundlich und sicher, schafft Transparenz und Kontrolle über die eigenen Daten und funktioniert überall in Europa.“

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d-you soll mehr sein als ein digitaler Personalausweis

Das „d“ im Namen steht nach Angaben des Digitalministeriums für „digital“ und „Deutschland“, „you“ soll die Nutzer in den Mittelpunkt stellen. Hinter der Marke steht jedoch ein wesentlich größeres Projekt als die Digitalisierung einer Ausweiskarte.

Die EUDI-Wallet schafft eine europaweit nutzbare Infrastruktur für digitale Identitäten. Nutzer sollen künftig selbst entscheiden können, welche Daten sie gegenüber einer Behörde oder einem Unternehmen nachweisen. Für eine Altersprüfung könnte beispielsweise die Information genügen, dass eine Person über 18 Jahre alt ist. Weitere persönliche Daten müssten dafür nicht zwangsläufig übermittelt werden.

Zum Start sollen Anwendungen von Banken, Unternehmen, Behörden und anderen Einrichtungen bereitstehen. Zu den angekündigten Partnern gehören unter anderem Deutsche Post, Vodafone, Rossmann und Commerzbank sowie die Bundesagentur für Arbeit und die Deutsche Rentenversicherung.

Damit wird der Erfolg von d-you stark davon abhängen, ob die Wallet im Alltag tatsächlich genutzt werden kann. Eine App mit digitalem Personalausweis allein dürfte dafür kaum reichen.

Markus Reichel begleitet die Einführung im Bundestag

An dieser Stelle kommt der Dresdner CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Markus Reichel ins Spiel. Reichel ist Mitglied im Ausschuss für Digitales und Staatsmodernisierung und Berichterstatter der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für die EUDI-Wallet beziehungsweise digitale Identitäten.

Er beschäftigt sich seit längerer Zeit mit der Frage, wie aus den technischen und europäischen Vorgaben eine Infrastruktur entsteht, die Behörden und Unternehmen tatsächlich einsetzen können.

Reichel schreibt zur Vorstellung von d-you: „Die Wallet ist weit mehr als eine neue App auf dem Smartphone. Wir bauen damit eine neue Infrastruktur für digitale Identitäten und Nachweise.“

Im September 2025 hatte Reichel gemeinsam mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Ralph Brinkhaus Vertreter aus Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zu einem Fachgespräch über die praktische Einführung eingeladen. Im Juli 2026 folgte ein weiteres Gespräch mit mehr als 300 Bürgermeistern, Landräten und IT-Verantwortlichen aus Kommunen. Reichels Schwerpunkt liegt damit vor allem auf der Frage, wie die Wallet aus der Bundes- und Europapolitik in Rathäuser, Landratsämter und kommunale Dienstleistungen kommt.

Dresden wird zum Testfeld für die digitale Identität

Für Sachsen ist das Projekt besonders interessant, weil ein Teil dieser praktischen Arbeit in Dresden stattfindet. Die Landeshauptstadt arbeitet gemeinsam mit dem Bund und dem Freistaat an einem Pilotprojekt zur EUDI-Wallet.

Geplant ist ein Modell aus drei Bereichen: einer Use-Case-Factory, in der konkrete Anwendungen entwickelt werden, einem EUDI-Schaufenster Dresden, in dem diese Anwendungen praktisch erprobt werden, sowie einer EUDI-Wallet-Akademie, die Behörden, Unternehmen und Bürger bei der Einführung begleiten soll.

Dresden soll damit zeigen, wie die europäische Infrastruktur im kommunalen Alltag funktioniert. Reichel sagte dazu bereits 2025: „Gerade in meiner Heimatstadt Dresden zeigt sich, wie Staatsmodernisierung konkret funktioniert: Bund, Land und Kommune ziehen an einem Strang, um digitale Verwaltung erlebbar zu machen“.

Einen konkreten Anwendungsfall gibt es bereits. Sachsen, Nordrhein-Westfalen, die Landeshauptstadt Dresden und der IT-Dienstleister nextgov iT testen seit Juni, wie die Sächsische Ehrenamtskarte als digitaler Nachweis in die EUDI-Wallet integriert werden kann. Auch die Anmeldung über BundID und Wallet wird dabei erprobt.

DIE SACHSEN NEWS hatte bereits im März über Dresdens Rolle als Pilotstadt berichtet. Der Beitrag erklärt auch die Arbeit der HTW Dresden an digitalen Identitäten und die Vorgeschichte des Projekts. Im Juli berichtete DIE SACHSEN NEWS zudem über den Test der digitalen Ehrenamtskarte in Dresden. Digitale Revolution fürs Handy: Warum ganz Deutschland jetzt auf Dresden blickt

Ab Januar entscheidet der Alltag über den Erfolg von d-you

Der politische und technische Rahmen steht inzwischen weitgehend. Ab dem 2. Januar 2027 wird sich zeigen, ob d-you tatsächlich einen Platz im Alltag der Menschen findet.

Für Bürger könnte das bedeuten, bei bestimmten Vorgängen keine Ausweiskopie mehr hochladen oder sich erneut über unterschiedliche Identifikationsdienste anmelden zu müssen. Unternehmen könnten digitale Nachweise automatisiert prüfen. Behörden könnten Identitäten und Berechtigungen direkt aus der Wallet entgegennehmen.

Genau deshalb ist die Arbeit in Dresden für das Gesamtprojekt relevant. Hier geht es weniger darum, eine weitere staatliche App zu demonstrieren. Die Stadt soll konkrete Verfahren entwickeln und erproben, die später auch andere Kommunen übernehmen können.

Die Ausgangslage ist ungewöhnlich: Eine europaweit definierte Infrastruktur wird auf Bundesebene umgesetzt, in Sachsen mitentwickelt und in Dresden auf kommunaler Ebene getestet. Der Dresdner Bundestagsabgeordnete Markus Reichel sitzt dabei an der politischen Schnittstelle zwischen diesen Ebenen.

Ob daraus für Bürger tatsächlich weniger Papier, weniger Behördengänge und einfachere digitale Verfahren entstehen, hängt nun vor allem von den Anwendungen ab, die bis zum Start Anfang Januar funktionieren.

Thomas Wolf
Artikel von

Thomas Wolf

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