Sorge um das Museum der Westlausitz: Förderverein kritisiert Trägerschaftsdebatte
Offener Brief löst Diskussion um die Zukunft des Museums aus
Die angekündigte Empfehlung der Kreisverwaltung Bautzen, die Trägerschaft des Museums der Westlausitz zum 31. Dezember 2027 aufzugeben, hat bei dem Verein der Freunde und Förderer des Museums der Westlausitz e.V. deutliche Besorgnis ausgelöst. In einem offenen Brief an Landrat Witschas und die Kreistagsfraktionen äußert der Verein nicht nur Verwunderung über das Verfahren, sondern auch scharfe Kritik an der sachlichen Grundlage des Vorschlags.
Aus Sicht des Fördervereins ist besonders problematisch, dass die Debatte offenbar auf Zahlen gestützt werde, die nicht den tatsächlichen Verhältnissen entsprächen. Damit stehe nicht nur die Zukunft einer bedeutenden Kultureinrichtung auf dem Spiel, sondern auch die Frage, wie transparent und belastbar die Entscheidungsgrundlage der Verwaltung sei.
Kritik an Kostendarstellung und Sanierungsbedarf
Ein zentraler Vorwurf des Fördervereins betrifft die Darstellung der laufenden Kosten. Der Verein widerspricht der behaupteten jährlichen Belastung von 1,1 Millionen Euro und verweist darauf, dass der durchschnittliche Kostenzuschuss des Landkreises im Zeitraum 2025 bis 2027 bei rund 0,8 Millionen Euro liege. Die Abweichung sei erheblich und werfe Fragen nach der Verlässlichkeit der verwendeten Daten auf.
Auch bei den Angaben zum Sanierungsbedarf sieht der Verein eine deutliche Verzerrung. Während in einer Pressemitteilung von 15 bis 20 Millionen Euro die Rede gewesen sei, hätten frühere Machbarkeitsstudien für Umbau- und Modernisierungspläne deutlich niedrigere Summen genannt. Zudem verweise der Verein darauf, dass jüngste Überprüfungen der Bausubstanz keinen akuten Sanierungsbedarf ergeben hätten. Der rein bauliche Bedarf tendiere daher gegen null, heißt es in dem Schreiben.
Ein Museum mit regionaler und überregionaler Bedeutung
Nach Einschätzung des Fördervereins wäre ein Rückzug des Landkreises ausgerechnet beim Museum der Westlausitz schwer nachvollziehbar. Seit der Umstrukturierung und Wiedereröffnung habe sich das Haus zu einem der führenden Regionalmuseen in Ostdeutschland entwickelt. Jährlich besuchen demnach zwischen 26.000 und 32.000 Menschen das Museum, das damit weit über Kamenz und die Westlausitz hinaus Wirkung entfaltet.
Besonders hervorgehoben werden die Sonderausstellungen, die dem Museum überregionale Aufmerksamkeit verschafft haben. Genannt werden unter anderem Formate wie „800 Jahre Aberglaube und Magie“ oder „Deutschlands wilde Greife“. Auch die kommende Ausstellung „Granitmassiv – Die Lausitz hört das All“, die in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Astrophysik entsteht, wird im Brief als Beleg für die wissenschaftliche Strahlkraft des Museums angeführt.
Bildungsauftrag und Sammlungsbestand als Argumente
Ein weiterer Schwerpunkt des Schreibens ist der Bildungsauftrag des Museums. Die Sammlung umfasst nach Angaben des Vereins rund 120.000 Objekte zur Natur- und Menschheitsgeschichte aus dem gesamten Landkreis Bautzen. Diese Bestände bilden demnach ein bedeutendes naturkundliches und kulturhistorisches Gedächtnis der Region.
Hinzu komme ein umfangreiches museumspädagogisches Angebot, das von Schulen und Bildungsträgern aus allen Teilen des Landkreises stark genutzt werde. Gerade in naturkundlichen und naturwissenschaftlichen Formaten verfüge das Museum über ein Alleinstellungsmerkmal im Kreis. Der Förderverein betont deshalb, das Haus sei weit mehr als eine freiwillige Leistung – es trage wesentlich dazu bei, den gesetzlichen Bildungsauftrag des Landkreises zu erfüllen.
Appell an Dialog statt Konfrontation
Der Verein bedauert, dass es nach seinem Kenntnisstand im Vorfeld keinen Dialog zwischen Verwaltung und Museum gegeben habe. Aus seiner Sicht hätte es Möglichkeiten gegeben, gemeinsam über Kostensenkungen oder eine Neuausrichtung zu sprechen. Der Förderverein erklärt sich ausdrücklich bereit, an solchen Gesprächen mitzuwirken.
Mit seinem offenen Brief versucht der Verein, die Debatte zurück auf eine sachliche Grundlage zu führen. Im Kern geht es dabei um zwei Fragen: Sind die angeführten Zahlen korrekt? Und warum steht ausgerechnet eine Einrichtung zur Disposition, die sich nach Ansicht vieler als kultureller und bildungspolitischer Leuchtturm im Landkreis Bautzen etabliert hat?