Logo Die Sachsen News
Nachrichten / Bautzen News

Grüne verurteilen geplante Schließung der Geburtenstation am Klinikum Kamenz

Grüne verurteilen geplante Schließung der Geburtenstation am Klinikum Kamenz
Symbolbild pixabay beeki
Von: Uwe Tschirner
Der Kreisverband Bautzen von BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN kritisiert die geplante Schließung der Geburtenstation am Klinikum Kamenz und warnt vor Folgen für Familien, Gesundheitsversorgung und regionalen Zuzug.

Kamenz. Die Entscheidung der Krankenhaus-Geschäftsführung, die Geburtenstation des Klinikums Kamenz schließen zu wollen, wird mit dem demografischen Rückgang, nicht erfüllbaren Mindestmengenvorgaben und steigenden Qualitätsanforderungen begründet. Medienberichten zufolge ist diese Begründung maßgeblich dafür, dass die Station geschlossen werden soll. Die Debatte wird im regionalen Gesundheitssektor aufmerksam verfolgt, weil sie weitreichende Folgen für die Versorgungslandschaft in der Oberlausitz hat. Die Initiative wirft die Frage auf, wie die medizinische Grundversorgung junger Familien in der Region künftig gewährleistet werden kann.

Nach Angaben der Sächsischen Zeitung soll die Geburtsstation aufgrund der rückläufigen Fallzahlen und der Vorgaben der Krankenhausreform geschlossen werden. Diese Sichtweise wird von den Grünen kritisch hinterfragt, denn sie betrifft unmittelbar die Erreichbarkeit hochwertiger Versorgungseinrichtungen für werdende Mütter und ihre Babys in Kamenz und Umgebung.

Mehr aus dieser Kategorie

Folgen für Familien und regionale Gesundheitsversorgung

Aus Sicht der Grünen würde mit der Schließung nicht nur eine lokale Anlaufstelle bei der Geburt verloren gehen, sondern auch eine zentrale Orientierungshilfe für junge Familien in der Region. Wenn künftig Geburtsstationen lediglich noch in Bautzen, Hoyerswerda und Dresden verblieben, müssten schwangere Frauen aus Kamenz längere Strecken in Kauf nehmen. Die Grünen warnen, dass solche Transportwege gesundheitliche Risiken mit sich bringen können – sowohl für die Mutter als auch für das Kind – und dadurch potenziell auch negative Auswirkungen auf die regionale Lebensqualität und den Zuzug junger Familien haben könnten.

Dieser Aspekt verweist auf die Bedeutung einer erreichbaren medizinischen Grundversorgung als Bestandteil einer familienfreundlichen Region. Die Grünen betonen, dass kurze Wege zu Unterstützung und Notfallhilfe während der Geburt für viele Familien die zentrale Entscheidung für einen Verbleib in der Region beeinflussen können.

„Der Verlust der Geburtsstation wäre ein großer Schaden für Kamenz und die Region. Die Möglichkeit bei der Geburt auf kurzem Weg Hilfe und Unterstützung zu bekommen ist das, was eine familienfreundliche Region ausmacht. Gerade wegen der demografischen Entwicklung ist es zwingend erforderlich, dass gut funktionierende Geburtsstationen erhalten bleiben und entwickelt werden.“, erklärt Matthias Höhle, Kreisvorsitzender der GRÜNEN im Landkreis Bautzen.

„Der Erhalt der Geburtsstation des Klinikums Kamenz ist absolut notwendig für die Frauengesundheit in unserem Landkreis. Sie wollen eine echte Wahlfreiheit und dazu gehört eine Klinik die erreichbar ist und einen guten medizinischen und familiären Standard sichert. Das schafft Bleibeperspektiven für junge Frauen und wirkt dem demographischen Wandel entgegen. Geburtshilfe ist menschliche Grundversorgung.“, ergänzt Nora Egli, Sprecherin im Kreisverband Bautzen von BÜNDNIS90 / DIE GRÜNEN.

Die Grünen fordern eine Neubewertung der bundesweiten Krankenhausreform‑Kriterien unter Berücksichtigung regionaler Versorgungsbedürfnisse. Dazu gehört eine Sicht auf regionale Besonderheiten, etwa geographische Distanzen, Bevölkerungsdichte und demografische Entwicklungen, die in strukturschwachen Regionen eine angemessene Versorgung sicherstellen. Vor diesem Hintergrund schlagen die Grünen finanzielle Sonderprogramme des Landes Sachsen vor, um Geburtsstationen in strukturschwachen Regionen zu sichern. Ziel ist es, die flächendeckende Grundversorgung zu stärken und gleichzeitig echte Wahlmöglichkeiten für werdende Eltern zu erhalten.

Ausblick und Schlussfolgerung

Die Debatte um die Geburtenstation am Klinikum Kamenz ist damit mehr als eine lokale gesundheitspolitische Frage. Sie berührt zentrale Themen wie familienfreundliche Regionalentwicklung, Zuzug junger Familien, strukturelle Versorgungsunterschiede zwischen Stadt und Land sowie den Umgang mit der bundesweiten Krankenhausreform. Die Grünen machen deutlich, dass eine Neubewertung der Reformkriterien sowie gezielte Landesunterstützung nötig sind, um eine stabile Grundversorgung zu sichern. Wie die Entscheidungsträger in Sachsen letztlich handeln, hängt auch von der Bereitschaft ab, regionale Besonderheiten stärker zu berücksichtigen und solidarische Lösungen zu finden, die jungen Familien eine Perspektive in der Region geben.

Uwe Tschirner
Artikel von

Uwe Tschirner

Uwe Tschirner ist für die Inhalte selbst verantwortlich. Es gilt der Kodex der Plattform. Die Plattform prüft und behandelt Inhalte gemäß den gesetzlichen Vorgaben, insbesondere nach dem NetzDG.

Social Media