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Schreiber raus, Grill rein: Was Stamm jetzt über die Nummer eins sagt

Dynamo-Torwart Lennart Grill blickt nach dem Ausgleich der Osnabrücker zurück, im Vordergrund steht Trainer Thomas Stamm mit ernster Miene
Lennart Grill oder Tim Schreiber? Trainer Thomas Stamm lässt die Torwartfrage bei Dynamo offen. (Fotomontage: David Ebener/dpa, Robert Michael/dpa)
Überraschung im Dynamo-Tor: Lennart Grill stand beim 1:1 gegen Osnabrück nach 314 Tagen Verletzungspause zum ersten Mal wieder bei den Profis zwischen den Pfosten. Ob er damit Tim Schreiber verdrängt hat, lässt Trainer Thomas Stamm offen. Seine klare Ansage zur Torwartfrage lest ihr hier.

Comeback nach 314 Tagen: Grill überrascht im Dynamo-Tor

Die Aufstellung eine Stunde vor dem Spiel gegen den VfL Osnabrück (1:1) sorgte für die größte Überraschung. Thomas Stamm tauschte auf der Torhüterposition, doch nicht Elias Bethke, den viele erwartet hatten, stand im Kasten, sondern Lennart Grill. Der 27-Jährige stand damit nach 314 Tagen erstmals wieder für den Profikader im Tor.

Reha, Oberliga, Comeback

Am 30. November 2025 hatte sich Grill im Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf kurz vor Schluss schwer am Knie verletzt. Es folgte die Reha. Seit einigen Wochen trainiert er wieder voll mit und kam zweimal bei der U21 in der Oberliga zum Einsatz.

Mit der Nominierung hatte er selbst nicht gerechnet. "Da habe ich jetzt auch nicht unbedingt mit gerechnet, ich war ja auch bisher nicht wirklich dabei. Einfach ein geiles Gefühl", erklärt der Keeper. "Es zeigt, dass die ganze harte Arbeit sich gelohnt hat, dass es das wert war, alles reinzupulvern und gefühlt jeden Tag in der Reha zehn Stunden rumzuschuften."

Stamm: "Impuls setzen"

Auf der Pressekonferenz begründete Stamm den Wechsel so: "Wir wollten grundsätzlich einen Impuls setzen. Die Innenverteidiger-Frage oder die Sechser-Frage hätte auch kommen können, aber es kommt dann immer die Torwart-Frage."

Es gehe um Stabilität: "Am Ende geht es darum, Stabilität reinzubekommen. Ich glaube, wir haben einen Schnitt von zwei Gegentoren in den ersten sechs Spielen." Und weiter: "Manchmal sind Impulse entweder mit einer Umstellung, was die Taktik anbelangt, also die Grundformation, oder halt personell, glaube ich, immer mal wieder hilfreich um ein Stück weit Stabilität dann auch zu finden."

Machtlos: Beim späten Ausgleich der Osnabrücker kam Lennart Grill (r.) nicht mehr an den Ball. (Bild: David Ebener/dpa)

Kleiner Patzer, starke Paraden

Ganz glatt lief das Comeback nicht. In der 56. Minute spielte Grill beim Versuch, das Spiel schnell zu machen, einem Osnabrücker den Ball in die Füße. Der folgende Lupfer war jedoch kein Problem für ihn.

"Das ist sicherlich normal nach so einer Verletzung, dass man ein bisschen braucht auch wenn man wieder voll im Training ist, bis man dann wieder aufs normale Level kommt", sagt Grill. "Das merkt man auch, der generelle Spielrhythmus ist jetzt noch nicht 100 Prozent da. Ich glaube, dafür war es in Ordnung."

Das stimmt. Wirklich viel zu tun hatte er lange nicht. Erst in der 83. Minute musste er richtig eingreifen: Robin Meißner scheiterte aus elf Metern an ihm. Zwei Minuten später parierte Grill auch einen ordentlichen Distanzschuss von Ismail Badjie, der gefährlich aufsetzte.

Der späte Ausgleich

In der 87. Minute war er dann machtlos. Konrad Faber brachte eine Flanke in den Strafraum, Wiemann verpasste den Ball, und am zweiten Pfosten köpfte der völlig freie Fabinski zum 1:1 ein.

"Ist halt ärgerlich, wenn man so lange führt und dann so ein Drecksteil bekommt. Am Ende nehmen wir den Punkt trotzdem mit", meinte Grill nach der Partie.

Stamm lobt Rückkampf

Auch Thomas Stamm war mit dem Auftritt zufrieden und hob Grills Weg zurück hervor: "Leistung so kurz nach dem Spiel und Einzelkritik finde ich immer schwierig. Grundsätzlich hat er sich die letzten Monate gut zurückgekämpft, mit Hochs und Tiefs, wie es dann so ist. Also gefühlt Anfang Sommer schon auf dem Platz und dann halt doch nicht und dann trotzdem wieder."

Man habe ihm die Zeit gelassen: "Ich glaube, das ist wichtig. Wir haben jetzt natürlich auch den Vorteil gehabt, dass man die drei Wochen nochmal nutzen konnte." Entscheidend sei, dass er gesund ist. "Er wird trotzdem Spiele brauchen, um auf sein maximales Level zu kommen. Das ist glaube ich bei jedem Spieler so, nicht nur bei den Torhütern, die lange nicht gespielt haben, aber insgesamt glaube ich ein ganz ordentliches Spiel gemacht."

Wollte "einen Impuls setzen": Thomas Stamm gibt an der Seitenlinie Anweisungen. (Bild: David Ebener/dpa)

Torwart-Frage bleibt offen

Ob Grill damit Tim Schreiber endgültig aus dem Tor verdrängt hat, ist offen. Stamm sagte dazu beim MDR: "Du probierst natürlich in der Achse eher Stabilität reinzubringen. Trotzdem geht es um Leistung. Es wäre falsch, wenn ich die Tür für die anderen Jungs zumache, weil es die auch gut machen. Tim hat es die letzten Wochen gut gemacht."

Sein Fazit: "Am Ende geht es trotzdem darum, irgendwann auch da eine gewisse Stabilität und Kontinuität hinzubekommen. Immer in Bezug auf die Leistung."

(PS)