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Wenn die Körperabwehr das Herz angreift: TU Dresden startet Millionenprojekt

Nach dem Infarkt entscheidet das Immunsystem über den Heilungsverlauf.
Herzinfarkt hinterlässt oft dauerhafte Schäden. Dresdner Forscher wollen das ändern. © pixabay/Tumisu
Von: Wissensland
Nach einem Herzinfarkt greift das Immunsystem an, wo es heilen soll. Forschende der TU Dresden wollen diese Reaktion künftig gezielt steuern und so dauerhafte Herzschäden verhindern. Die DFG unterstützt dieses Ziel nun mit sieben Millionen Euro.

Jedes Jahr erleiden laut Deutscher Herzstiftung e.V. in Deutschland bis zu 300.000 Menschen einen Herzinfarkt. Viele überleben ihn, aber ihr Herz bleibt dauerhaft geschwächt. Ein Grund dafür ist das eigene Immunsystem.

Genau hier setzt die neue Forschungsgruppe FOR 5953 an der Technischen Universität Dresden an und sucht nach einer Lösung. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Projekt mit rund sieben Millionen Euro für zunächst vier Jahre. Geleitet wird es von Prof. Ali El-Armouche, Direktor des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie, und Prof. Kaomei Guan.

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Wenn die Heilung selbst Schaden anrichtet

Nach einem Herzinfarkt reagiert der Körper mit einer Entzündung. Das ist zunächst sinnvoll. Immunzellen räumen abgestorbenes Gewebe ab und leiten die Heilung ein. Doch dieselbe Reaktion kann auch gesundes Herzgewebe zerstören. Wie stark dieser Prozess abläuft, entscheidet darüber, ob ein Patient später an Herzschwäche leidet.

Zahlreiche internationale Studien zeigen: Therapien, die gezielt in diese Entzündungsprozesse eingreifen, haben bisher nur begrenzten Erfolg. Zwar kann es hilfreich sein, eine zu starke Entzündung frühzeitig zu dämpfen. Gleichzeitig ist die Entzündung aber auch wichtig für die Reparatur. Wird sie zu stark unterdrückt, kann das die Heilung sogar verschlechtern.

Nicht bremsen, sondern lenken

Das Team der TU Dresden verfolgt einen neuen Ansatz. Statt die Immunreaktion zu unterdrücken, sollen die beteiligten Zellen direkt verändert werden. Pharmakologische Wirkstoffe sollen sie in einen heilungsförderlichen Zustand versetzen. Das Projekt trägt den Namen ETNA: "Modulation der angeborenen Immunreaktion in der Frühphase des Myokardinfarkts".

"Die Förderung ermöglicht uns, ein leistungsfähiges Netzwerk aufzubauen und die kardioimmune Forschung am Campus der Hochschulmedizin Dresden nachhaltig zu stärken", sagt Prof. El-Armouche. Das Forschungsteam vereint Expertinnen und Experten aus Herz-Kreislauf-Forschung, Immunologie und Pharmakologie. Geplant ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Herzzentrum Dresden, um neue Therapien schneller in die Patientenversorgung zu bringen. Prof. Esther Troost, Dekanin der Medizinischen Fakultät, betont, man wolle "neue therapeutische Ansätze schneller in die Versorgung überführen".

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