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Wann wurde der Hund wirklich unser bester Freund?

Was wie eine alltägliche Szene wirkt, hat tiefe Wurzeln: Forschende haben nun belegt, wie alt die Verbindung zwischen Mensch und Hund wirklich ist.
Treue seit Jahrtausenden: Schon vor mehr als 14.000 Jahren lebten Hunde an der Seite der Menschen. © pixabay/lokalsportessen
Von: Wissensland
Schon vor mehr als 14.000 Jahren lebten Hunde an der Seite von Menschen. Das zeigt eine neue internationale Studie, an der auch das Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig beteiligt war. Mit einer ausgeklügelten Methode analysierten die Forscher uralte Knochen und schrieben die Geschichte unseres treuesten Begleiters neu.

Wer einen Hund hat, kennt dieses Bild bestimmt: Kaum kommt man nach Hause, wedelt der aufgeregte Vierbeiner schon mit dem Schwanz und freut sich. Diese Verbindung zwischen Mensch und Hund ist uralt. Älter, als bisher gedacht. Eine neue internationale Studie zeigt, dass Hunde schon vor mindestens 14.200 Jahren, vermutlich sogar noch früher, mit Menschen zusammenlebten. Beteiligt war auch das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig.

Das Forscherteam analysierte die Erbinformation,. also das genetische Material, das in jeder Zelle steckt, aus 216 uralten Überresten von Hunden und Wölfen. Die meisten Knochen stammen aus Europa, aus Ländern wie der Schweiz, Deutschland, Belgien und der Türkei. Es ist die bislang größte Studie dieser Art weltweit.

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Was verraten die Knochen?

Das klingt einfacher, als es ist. Hunde und Wölfe sehen sich ähnlich, besonders wenn nur Skelette übrig sind. Ein Knochen aus Belgien galt jahrzehntelang als Hundeknochen, wegen seiner geringen Größe und Spuren menschlicher Bearbeitung. Die Genanalyse zeigte jedoch: Es war ein Wolf. Der Durchbruch gelang mit einer Methode namens "Hybridisierungsfang". Damit fischten die Wissenschaftler gezielt Hunde-DNA aus dem alten Material heraus, selbst wenn Bakterien und andere Kleinstlebewesen die Proben stark verunreinigt hatten. "Wir haben herausgearbeitet, wie ähnlich jede Probe einem heutigen Hund ist", erklärt Anders Bergström vom Francis Crick Institute in London.

So bestätigten die Forscher, dass ein Knochen aus der Kesslerloch-Höhle in der Schweiz tatsächlich von einem Hund stammt. Und zwar von einem, der vor 14.200 Jahren lebte. "Die bisher älteste bekannte Hunde-DNA war 10.900 Jahre alt. Jetzt reicht der Horizont viel weiter in die Vergangenheit zurück", sagt Bergströms Kollege Pontus Skoglund.

Die ersten Bauern übernahmen die Hunde der Jäger

Die Studie beantwortet auch die Frage, ob Hunde an mehreren Orten unabhängig voneinander domestiziert wurden. Die Ergebnisse sprechen dagegen. Alle frühen europäischen Hunde teilen genetische Wurzeln mit Hunden aus Asien. "Es gibt keinen Hinweis darauf, dass europäische Hunde einen eigenen, von Asien unabhängigen Zähmungsprozess durchlaufen haben", sagt Bergström. Als vor rund 10.000 Jahren die ersten Bauern nach Europa kamen, brachten sie zwar eigene Hunde mit. Doch die Hunde der Jäger und Sammler verschwanden nicht, sie wurden übernommen. Heute tragen viele europäische Hunderassen etwa die Hälfte ihrer Gene von diesen frühen Tieren.

Die Studie zeigt vor allem, wie eng die Entwicklung von Mensch und Hund miteinander verknüpft ist. Gleichzeitig bleiben zentrale Fragen offen – etwa, wo genau Hunde erstmals domestiziert wurden. Forschende weltweit gehen aktuell dieser Frage nach. Neue genetische Methoden liefern zunehmend präzisere Einblicke, sie zeigen aber auch, wie komplex diese gemeinsame Geschichte ist. Hunde begleiteten den Menschen schon lange vor der Landwirtschaft und passten sich gemeinsam mit ihm an neue Lebensweisen an. "Die meisten Hunde, die heute durch einen Park laufen, stammen zu einem Teil von Hunden ab, die vor mehr als 14.000 Jahren in Europa lebten", sagt Skoglund. "Es ist faszinierend, dass wir trotz aller Veränderungen im menschlichen Leben so lange Seite an Seite gegangen sind."


Originalpublikation:
Bergström, A., Furtwängler, A., Johnston, S. et al. Genomic history of early dogs in Europe. Nature 651, 986–994 (2026).

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