Der Tisch in der Küche, das Regal im Wohnzimmer, der Kleiderschrank im Schlafzimmer: Holz umgibt uns überall. Dass es auch eine wichtige Rolle für den Klimaschutz spielen könnte, klingt erst einmal überraschend. Doch genau das zeigt jetzt eine große internationale Studie, an der auch das Deutsche Biomasseforschungszentrum (DBFZ) in Leipzig beteiligt war. Die Ergebnisse wurden im Wissenschaftsjournal "Communications Earth & Environment" veröffentlicht.
Die entscheidende Idee: Holzreste, die beim Sägen, Bauen oder Fällen anfallen, sollen nicht sofort verbrannt werden. Stattdessen sollen sie zunächst als Produkte genutzt werden, zum Beispiel als Spanplatten oder Bauholz. Fachleute sprechen von einer kaskadierenden Nutzung von Holz. Erst am Ende seines Lebens kommt es in Kraftwerken zum Einsatz. Dort passiert etwas Besonderes. Das beim Verbrennen entstehende CO₂ wird aufgefangen und dauerhaft unter der Erde gespeichert. Dieses Verfahren nennen Fachleute BECCS, kurz für "Bioenergie mit CO₂-Abscheidung und -Speicherung".
Ein Kreislauf, der die Zeit für das Klima arbeiten lässt
Der Aufbau einer solchen Infrastruktur braucht Zeit, vermutlich Jahrzehnte. Genau hier liegt der Clou der Studie: Der Kreislauf nutzt diese Zeit. Holzreste werden zunächst zu Produkten verarbeitet. Sie ersetzen dabei CO₂-intensive Materialien und sparen so Emissionen ein. Wenn Spanplatten oder Bauholz nach Jahren ausgedient haben, wandern sie ins Kraftwerk. Dort wird Energie erzeugt, das CO₂ eingefangen und dauerhaft gespeichert. In den Wäldern wachsen derweil neue Bäume nach, die wieder CO₂ aus der Luft aufnehmen. Fachleute nennen Wälder deshalb "Kohlenstoffsenken". Laut Studie ist dieser Ansatz klimafreundlicher, als Holzreste direkt zu verbrennen oder Wälder ungenutzt zu lassen.
Professor David Styles, Mitautor an der Universität Galway, sieht darin klare Aufgaben für die Politik: Regierungen müssten der Entwicklung von Technologien zur dauerhaften CO₂-Speicherung Vorrang einräumen und Anreize für die kreislaufwirtschaftliche Nutzung von Holz schaffen, um dessen Lebensdauer als Kohlenstoffspeicher zu verlängern. Das DBFZ leitet seit 2022 eine internationale Forschungsgruppe zu diesem Thema gemeinsam mit dem schwedischen Institut RISE. An der aktuellen Studie waren Expertinnen und Experten aus Irland, Schweden, Deutschland, Finnland, Großbritannien und Australien beteiligt.
Die Ergebnisse fügen sich in eine weltweite Diskussion ein: Welche Rolle kann Holz im Klimaschutz spielen? Klar ist, dass Holz Kohlendioxid speichern kann, zum Beispiel in Möbeln oder Baustoffen. Außerdem kann es andere, klimaschädlichere Materialien ersetzen. Strittig ist jedoch, wie groß dieser Effekt wirklich ist, vor allem wenn dafür mehr Holz genutzt wird. Die neue Studie zeigt einen möglichen Mittelweg. Holz wird zunächst möglichst lange als Produkt genutzt und erst später zur Energiegewinnung eingesetzt. Dabei wird das entstehende CO₂ aufgefangen und dauerhaft gespeichert, statt wieder in die Atmosphäre zu gelangen. So könnte Holz nicht nur Emissionen vermeiden, sondern langfristig auch helfen, CO₂ aus der Luft zu entfernen, vorausgesetzt die Wälder werden nachhaltig bewirtschaftet.
Originalpublikation:
Bishop, G., Duffy, C., Berndes, G. et al. Cascading wood use into bioenergy with carbon capture and storage ensures continuous and enduring temperature reduction. Commun Earth Environ 7, 233 (2026).