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Holz als Klimaretter: Studie zeigt neuen Weg

Nachwachsend und nützlich: Nachhaltig bewirtschaftete Wälder entziehen der Atmosphäre Kohlendioxid – und liefern den Rohstoff für einen neuen Klimaschutzkreislauf.
Wälder sind mehr als Holzlieferanten: Sie speichern CO₂ und könnten Teil einer neuen Klimastrategie werden. © pixabay/Uwe Jelting
Von: Wissensland
Holzreste erst als Spanplatte, dann als Energiequelle nutzen und das CO₂ dabei dauerhaft unter der Erde verschwinden lassen: Eine internationale Studie unter Beteiligung des Deutschen Biomasseforschungszentrums in Leipzig zeigt, wie dieser Kreislauf die Klimaneutralität möglich machen könnte.

Der Tisch in der Küche, das Regal im Wohnzimmer, der Kleiderschrank im Schlafzimmer: Holz umgibt uns überall. Dass es auch eine wichtige Rolle für den Klimaschutz spielen könnte, klingt erst einmal überraschend. Doch genau das zeigt jetzt eine große internationale Studie, an der auch das Deutsche Biomasseforschungszentrum (DBFZ) in Leipzig beteiligt war. Die Ergebnisse wurden im Wissenschaftsjournal "Communications Earth & Environment" veröffentlicht.

Die entscheidende Idee: Holzreste, die beim Sägen, Bauen oder Fällen anfallen, sollen nicht sofort verbrannt werden. Stattdessen sollen sie zunächst als Produkte genutzt werden, zum Beispiel als Spanplatten oder Bauholz. Fachleute sprechen von einer kaskadierenden Nutzung von Holz. Erst am Ende seines Lebens kommt es in Kraftwerken zum Einsatz. Dort passiert etwas Besonderes. Das beim Verbrennen entstehende CO₂ wird aufgefangen und dauerhaft unter der Erde gespeichert. Dieses Verfahren nennen Fachleute BECCS, kurz für "Bioenergie mit CO₂-Abscheidung und -Speicherung".

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Warum CO₂ einfach aus der Luft holen nicht reicht

Das Klimaproblem ist bekannt: Zu viel Kohlendioxid in der Atmosphäre heizt die Erde auf. Deshalb will Europa bis 2050 klimaneutral sein, also kein CO₂ mehr in die Luft ausstoßen, als gleichzeitig wieder entzogen wird. Doch manche Branchen stoßen auch mit viel Aufwand weiter CO₂ aus. Flugzeuge, Stahlwerke, Landwirtschaft: Hier sind drastische Einsparungen technisch schwierig und teuer.

"Die Untersuchungen und Erkenntnisse der vorliegenden Forschungsarbeit helfen zu verstehen, welchen Beitrag Bioenergie mit CO₂-Abscheidung und -Speicherung als Entnahmetechnologie zum Klimaschutz leisten kann in Verbindung mit einer Biomassenutzung für eine biobasierte Wirtschaft", sagt Christiane Hennig, Mitautorin der Studie und Wissenschaftlerin am DBFZ. "Nationale Klimaneutralitätsziele können ohne eine groß angelegte CO₂-Entfernung nicht erreicht werden", sagt Dr. George Bishop von der Universität Galway, der die Studie geleitet hat. BECCS biete "eine der wenigen skalierbaren Möglichkeiten, eine dauerhafte CO₂-Entfernung zu erreichen und gleichzeitig erneuerbare Energie zu erzeugen".

Ein Kreislauf, der die Zeit für das Klima arbeiten lässt

Der Aufbau einer solchen Infrastruktur braucht Zeit, vermutlich Jahrzehnte. Genau hier liegt der Clou der Studie: Der Kreislauf nutzt diese Zeit. Holzreste werden zunächst zu Produkten verarbeitet. Sie ersetzen dabei CO₂-intensive Materialien und sparen so Emissionen ein. Wenn Spanplatten oder Bauholz nach Jahren ausgedient haben, wandern sie ins Kraftwerk. Dort wird Energie erzeugt, das CO₂ eingefangen und dauerhaft gespeichert. In den Wäldern wachsen derweil neue Bäume nach, die wieder CO₂ aus der Luft aufnehmen. Fachleute nennen Wälder deshalb "Kohlenstoffsenken". Laut Studie ist dieser Ansatz klimafreundlicher, als Holzreste direkt zu verbrennen oder Wälder ungenutzt zu lassen.

Professor David Styles, Mitautor an der Universität Galway, sieht darin klare Aufgaben für die Politik: Regierungen müssten der Entwicklung von Technologien zur dauerhaften CO₂-Speicherung Vorrang einräumen und Anreize für die kreislaufwirtschaftliche Nutzung von Holz schaffen, um dessen Lebensdauer als Kohlenstoffspeicher zu verlängern. Das DBFZ leitet seit 2022 eine internationale Forschungsgruppe zu diesem Thema gemeinsam mit dem schwedischen Institut RISE. An der aktuellen Studie waren Expertinnen und Experten aus Irland, Schweden, Deutschland, Finnland, Großbritannien und Australien beteiligt.

Die Ergebnisse fügen sich in eine weltweite Diskussion ein: Welche Rolle kann Holz im Klimaschutz spielen? Klar ist, dass Holz Kohlendioxid speichern kann, zum Beispiel in Möbeln oder Baustoffen. Außerdem kann es andere, klimaschädlichere Materialien ersetzen. Strittig ist jedoch, wie groß dieser Effekt wirklich ist, vor allem wenn dafür mehr Holz genutzt wird. Die neue Studie zeigt einen möglichen Mittelweg. Holz wird zunächst möglichst lange als Produkt genutzt und erst später zur Energiegewinnung eingesetzt. Dabei wird das entstehende CO₂ aufgefangen und dauerhaft gespeichert, statt wieder in die Atmosphäre zu gelangen. So könnte Holz nicht nur Emissionen vermeiden, sondern langfristig auch helfen, CO₂ aus der Luft zu entfernen, vorausgesetzt die Wälder werden nachhaltig bewirtschaftet.


Originalpublikation:
Bishop, G., Duffy, C., Berndes, G. et al. Cascading wood use into bioenergy with carbon capture and storage ensures continuous and enduring temperature reduction. Commun Earth Environ 7, 233 (2026).

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