Wer nicht hören kann, stößt im Theater oft auf Hürden. Forschende der Universität Leipzig haben eineinhalb Jahre lang untersucht, wie gehörlose und schwerhörige Menschen den Theaterbetrieb erleben. Sie kommen zu dem Schluss, dass weit mehr fehlt als ein Dolmetscher.
Das Projekt "Kulturelle Teilhabe – Audience Development von und für Menschen mit Behinderung" wurde vom Institut für Kulturwissenschaften der Universität Leipzig geleitet. Die Kulturwissenschaftlerin Dr. Uta Karstein und ihr Team befragten in einer deutschlandweiten Online-Umfrage gehörlose und schwerhörige Menschen zu ihrem Freizeitverhalten und ihren kulturellen Interessen. Hinzu kamen 14 Gespräche mit Theaterschaffenden sowie eine Gruppendiskussion mit Besuchern eines inklusiven Stückes in Leipzig.
Kulturelle Teilhabe als Anspruch
Kulturelle Teilhabe gilt als Menschenrecht und ist in der UN-Behindertenrechtskonvention verankert. Die Ergebnisse der Leipziger Studie zeigen, wie groß die Lücke zwischen diesem Anspruch und der Praxis im Theater noch ist. Sie machen deutlich, dass Inklusion nicht nur einzelne Maßnahmen erfordert, sondern strukturelle Veränderungen im gesamten Kulturbetrieb.
Im Dezember 2025 lud das Team taube und hörende Theaterschaffende zu einem gemeinsamen Workshop ein, um neue künstlerische Formate auszuprobieren. Ergebnisse des Projekts sind auf einem Blog und einem Instagram-Kanal veröffentlicht. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt finanzierte die Studie.