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Der digitale Arzt-Assistent: KI übernimmt Routineaufgaben in der Klinik

Digitale Unterstützung im Krankenhaus: Forschende der TU Dresden testen KI, die Ärzte bei Routineaufgaben entlasten soll.
KI als Assistent im Klinikalltag: Der Dresdner Agent MIRA wertet Patientenakten aus und bereitet Diagnosen vor. © Canva/jittawit21
Von: Wissensland
Ein KI-Agent, der selbstständig Patientenakten auswertet, Untersuchungen anfordert und Diagnosen vorbereitet: Forschende der TU Dresden und des Universitätsklinikums haben MIRA entwickelt. In Testreihen übertraf das System sogar die Diagnosegenauigkeit von Ärzten.

Ein Notfall kommt selten allein. Ärzte müssen in solchen Stresssituationen gleichzeitig Fragen stellen, Laborwerte prüfen, Bilder auswerten und Entscheidungen treffen. Was dabei helfen könnte: ein KI-Assistent, der ihnen Routineaufgaben übernimmt. Genau den haben Forschende der Technischen Universität Dresden und des Universitätsklinikums Dresden jetzt entwickelt. Sie nennen ihn MIRA.

MIRA steht für "Medical Intelligence for Reasoning and Action". Das System ist ein sogenannter KI-Agent, also ein Programm, das selbstständig Aufgaben plant und ausführt. Anders als viele bisherige KI-Anwendungen arbeitet MIRA direkt in einer simulierten elektronischen Patientenakte.

In einer simulierten Notaufnahme bearbeitete das System mehr als 500 reale Patientenfälle. Es stellte Fragen, forderte Untersuchungen an, wertete Befunde aus und bereitete Behandlungsvorschläge vor. MIRA erreichte nicht nur ärztliches Niveau, sondern übertraf die ärztliche Vergleichsgruppe bei der Diagnosegenauigkeit in einigen Bereichen sogar. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht.

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Wie MIRA in der Praxis funktioniert

Das Forschungsteam um Prof. Jakob N. Kather vom Else Kröner Fresenius Zentrum für Digitale Gesundheit an der TU Dresden gab MIRA klare Grenzen. Elf Werkzeuge standen zur Verfügung, darunter Laboranforderungen, Bildgebung und Medikamentenverschreibungen. Damit konnte der Agent aus mehr als 85.000 möglichen Untersuchungen, Behandlungen und Entscheidungen auswählen. MIRA interagierte dabei auch mit virtuellen Patienten, deren Antworten auf echten Krankenakten beruhten.

"Unser KI-Agent konnte innerhalb der Testumgebung selbständig klinische Arbeitsschritte ausführen. MIRA erkannte fehlende Informationen, forderte Untersuchungen an, interpretierte leitliniengerecht Befunde und bereitete Therapieentscheidungen vor", sagt Dyke Ferber, Mediziner und Erstautor der Studie. Leitliniengerecht bedeutet, dass sich das System an medizinische Empfehlungen und Behandlungsstandards hielt.

Verantwortung bleibt beim Menschen

Trotz der guten Ergebnisse betonen die Forschenden, dass MIRA kein Ersatz für Ärzte ist. "Ich sehe KI-Agenten wie Autopiloten im Flugzeug. Solche Systeme können medizinisches Fachpersonal unterstützen und entlasten, indem sie Routineaufgaben übernehmen, aber die Verantwortung bleibt letztendlich immer beim ärztlichen Personal", sagt Prof. Kather.

Prof. Uwe Platzbecker, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Dresden, sieht in den Ergebnissen großes Potenzial. Die Studie zeige, dass KI-Agenten diagnostische Entscheidungen unterstützen und Therapien vorbereiten können. Nun gehe es darum, solche Systeme sicher und transparent in die klinische Praxis zu integrieren.


Originalpublikation:
D Ferber, L Hilgers, C Höper, B Kinny-Köster5, JN Eckardt, K Egger-Heidrich, M Bill, MMK Schneider, J Clusmann, L Kadric, M Oehme, M Mayrhofer-Schmid, A Oeser, G Wölflein, IC Wiest, JM Middeke, AJ Iafrate, D Truhn, D Jäger, JN Kather. Towards Autonomous Medical Artificial Intelligence Agents, Nature 2026.

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