Eigentlich wollten die Forschenden Höhlenkunst untersuchen. Stattdessen machten sie eine Entdeckung, die Archäologen neue Möglichkeiten eröffnen könnte. Erstmals gelang es, uralte menschliche DNA direkt von Höhlenwänden zu gewinnen. Nicht aus Knochen, nicht aus dem Boden, sondern aus dem Stein selbst.
Die Studie entstand im Rahmen des internationalen Projekts "First Art“, das Höhlenmalereien, Handabdrücke und andere Spuren früher Kunst in Höhlen Spaniens und Portugals untersucht. Ursprünglich wollten die Forschenden diese Kunst datieren und chemisch analysieren. In Zusammenarbeit mit Forschenden des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig hat das Team seine Untersuchungen um DNA-Analysen erweitert – mit überraschenden Ergebnissen.
Ein neues Kapitel der Vorgeschichte
Was bedeutet das für die Wissenschaft? "Diese Studie verändert unsere Vorstellung davon, wo alte DNA zu finden ist, grundlegend", sagt Matthias Meyer, Paläogenetiker am Max-Planck-Institut Leipzig und Seniorautor der Studie. "Wir waren überrascht zu sehen, dass alte DNA nicht nur aus pigmentierten Proben, sondern auch von Höhlenwänden gewonnen werden kann, die keinerlei sichtbare Hinweise auf frühere menschliche Aktivitäten zeigen."
Der entscheidende Vorteil dieser Methode: Archäologische Fundstätten müssen nicht ausgegraben oder beschädigt werden. Selbst dort, wo keine Knochen oder anderen menschlichen Überreste erhalten geblieben sind, könnten sich noch genetische Spuren finden lassen. So könnten Forschende künftig trotzdem Rückschlüsse auf frühere Bewohner ziehen – auf ihr Geschlecht, ihre Herkunft oder ihre Wanderbewegungen.
"Das ist erst der Anfang", ergänzt Meyer. "Wir wissen nun, dass Höhlenwände genetische Archive sind, mit denen sich die Anwesenheit von Menschen in der Vergangenheit nachweisen lässt."
Wie viel DNA tatsächlich erhalten bleibt, hängt stark von den Bedingungen ab. Temperatur, Feuchtigkeit und mineralische Schutzschichten spielen dabei eine wichtige Rolle. "Die Erhaltung menschlicher DNA an Höhlenwänden ist sehr variabel. Aber wenn sie erhalten bleibt, erzählt sie eine eindrucksvolle Geschichte", erklärt Alba Bossoms Mesa.
Originalveröffentlichtung:
Bossoms Mesa, A., Essel, E., Jáuregui, L. et al. Investigating ancient human DNA preservation on cave walls and in rock art. Nat Commun 17, 5561 (2026).