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Archäologen finden Spuren bis ins Mittelalter unter Dresdner Zwinger

Blick aus der sogenannten Froschperspektive in den Portalpavillon unter dem Kronentor zum Dresdner Zwinger. / Foto: Robert Michael/dpa
Blick aus der sogenannten Froschperspektive in den Portalpavillon unter dem Kronentor zum Dresdner Zwinger. / Foto: Robert Michael/dpa

Unter dem Dresdner Zwinger entdecken Archäologen Spuren von Bebauung bis ins Mittelalter, darunter Reithäuser, Zwingergrotte und Gärten, sowie wertvolle Fundstücke.

Unter dem berühmten Dresdner Zwinger haben Archäologen neben Resten des bisher vermuteten Barockgartens auch Spuren von Bebauung gefunden, die bis ins Mittelalter reichen. Dazu gehören Reithäuser, die alte Zwingergrotte und Gärten, sagte Projektleiter Hartmut Olbrich vom Landesamt für Archäologie am Mittwoch vor Abschluss der gut dreijährigen Ausgrabungen. Neben originalen Teilen der früheren Architektur wurden Geld, Schmuckstücke sowie «Knöpfe ohne Ende» geborgen.

Seit einer Probegrabung 2013 wollte Olbrich Belege für die Existenz von Pöppelmanns Garten finden. «Und es gibt eine ganze Menge Zeugnisse dafür», sagte er. «Wir wissen auch, wie er angelegt und dass er mit Baufortschritt in der Umgebung angepasst, umgestaltet und erweitert wurde.» Seit Anfang 2021 hat er mit kleinem Team eine Gesamtfläche von 14.500 Quadratmeter erforscht, parallel zur Sanierung des Zwingerhofs.

Der Zwinger ist ein Hauptwerk europäischer Barockarchitektur. Das Gebäudeensemble wurde 1709 bis 1728 für Kurfürst August der Starke (1670-1733) von Architekt Matthäus Daniel Pöppelmann (1662-1736) errichtet und von Bildhauer Balthasar Permoser (1651-1732) gestaltet. Er wurde 1719 zur Hochzeit des Kurprinzen mit einer Habsburger Kaisertochter eingeweiht und diente als Ort der Repräsentation, für höfische Feste sowie zur Aufbewahrung der herrschaftlichen Sammlungen.

Die Archäologen konnten nicht nur beweisen, dass Pöppelmanns Garten mehr als geplant war. Sie gruben tiefer und fanden auch Reste zweier Reithäuser, der Zwingergrotte und dazugehöriger Gärten aus dem 17. Jahrhundert, Spuren von Stadtbefestigung um 1200, aus dem frühen 15. Jahrhundert sowie der Mitte des 16. Jahrhunderts.

Daneben wurden laut Olbrich knapp 750 Objekte aus Metall geborgen, darunter etwa 200 Münzen, «die bei der Datierung helfen». Auch Medaillons, Ringe, Ornamente, die zu Kostümen gehören könnten, sowie Siegel mit Adelswappen holten sie aus der Erde. «Es gibt eine Kette aus ganz dünnem Draht, mit kleinen feinen Knochen wie von einem Vogel», berichtete er. Das fragile Stück sei samt Erdklumpen gesichert worden.

Im Unterschied zu diesen Funden und ausgegrabenen Architekturteilen verschwinden die Reste historischer Bauten, Pflanzungen, Bänke, Wege oder Beckenfundamente wieder unter der Hoffläche, sagte Olbrich. Vasen, Figuren, Baluster und drei Köpfe von Satyr-Figuren, die als verloren galten, bewahre die Zwingerbauhütte. Sie steckten in einer bei der Umgestaltung des Areals in den 1920er-Jahren entstandenen Schicht aus Steinen, einer Art Drainage.

Seit 1991 flossen Millionen in die Erhaltung des Ensembles aus sechs Pavillons sowie mehreren Bogen- und einer Langgalerie um den symmetrischen Hof mit vier Brunnen, das zwei Museen der Staatlichen Kunstsammlungen beherbergt. Die Sanierung des Innenhofs soll nach Angaben der staatlichen Bauverwaltung bis Jahresende abgeschlossen werden - die Gesamtbaukosten liegen bei rund 15 Millionen Euro.

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