Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) dringen vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels in Deutschland auf mehr Offenheit für ausländische Fachkräfte. Das machten Scholz und der BDI-Präsident Siegfried Russwurm am Sonntag beim Ostdeutschen Wirtschaftsforum im brandenburgischen Bad Saarow deutlich.
Scholz rief zu einem Bewusstseinswandel auf. Es brauche die Einsicht, dass ausländische Fachkräfte nicht nur gebraucht würden, sondern wirklich willkommen seien in Deutschland. «Als Arbeitgeber können Sie vor Ort zu diesem weltoffenen Deutschland beitragen. Und darum bitte ich Sie heute», appellierte Scholz an die Unternehmen.
«Lassen Sie es mich in aller Deutlichkeit sagen: Fremdenfeindlichkeit und Vorurteile sind das Allerletzte, was unser Land braucht», mahnte BDI-Chef Russwurm. Deutschland sei «bunt und nicht braun». Das sei wichtig und richtig für ein Land, das von der internationalen Vernetzung so abhängig sei wie kaum ein zweites.
Scholz verwies darauf, dass der Fachkräftemangel die größte Sorge ostdeutscher Unternehmer sei. Gute Löhne seien dabei ein entscheidender Standortfaktor. «Noch immer bekommen Ostdeutsche im Durchschnitt rund 620 Euro weniger Lohn im Monat als Westdeutsche, in manchen Branchen sogar bis zu 1000 Euro», kritisierte Scholz. Mit dem «Wirtschaftsboom Ost» müsse sich das ändern. Auch mehr Tarifbindung, starke Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände steigerten die Attraktivität eines Standortes.