In Sachsen haben deutlich mehr Schuldner in den ersten vier Monaten des Jahres Privatinsolvenz angemeldet. Wie das Statistische Landesamt in Kamenz auf Anfrage mitteilte, stieg die Zahl der Verfahren im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 926 auf 1459. Das entspricht einem Plus von mehr als 57 Prozent.
In welchem Umfang die Steigerung durch die Corona-Pandemie verursacht wurde, ist nicht bekannt. Experten zufolge ist die Entwicklung vor allem auf das seit Oktober 2020 geltende neue Insolvenzrecht zurückzuführen. «Wesentlich hierbei ist die Verkürzung des Verfahrens zur Restschuldbefreiung von bislang sechs auf drei Jahre», sagte der Leiter des Beratungszentrums Leipzig der Verbraucherzentrale Sachsen, Thomas Griebel. Die Betroffenen hätten in der Regel das neue Gesetz abgewartet und ihre Verfahren ins Frühjahr verschoben. Wegen des so entstandenen Staus könne es bei der Beratung zu Wartezeiten kommen.
Insgesamt gab es im vergangenen Jahr 2156 Privatinsolvenzen, deutlich weniger als noch 2019 mit knapp 3200 Verfahren. 2018 wurden 3383 Privatinsolvenzen registriert. «Derzeit ergibt sich noch kein klares Bild zur Auswirkung der Corona-Pandemie auf die Überschuldungssituation», sagte Griebel. Der oft vorher gesagte rasante Anstieg der Überschuldungen sei bisher ausgeblieben.