Radebeul. Über dem Elbtal staffeln sich die Weinberge Terrasse um Terrasse in die Höhe - gehalten von Trockenmauern, in denen Generationen von Handarbeit stecken. Genau diese unverwechselbare Landschaft stand jetzt im Mittelpunkt einer Auftaktveranstaltung im Staatsweingut Schloss Wackerbarth: Die Sächsische Staatsministerin für Infrastruktur und Landesentwicklung, Regina Kraushaar, übergab das Anerkennungsschreiben für das Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept (ILEK) „Weinland Sachsen" an die Steillagenallianz. Der Freistaat stellt sich damit offiziell hinter eine gemeinsame Strategie, die eine der einzigartigsten Kulturlandschaften Sachsens für die kommenden Generationen sichern soll.
Zahlen und Fakten: Sachsens Weinbaukulturlandschaft
Das sächsische Anbaugebiet ist eines der 13 deutschen Weinbaugebiete und zugleich eines der kleinsten und nordöstlichsten. Die Rebfläche umfasst insgesamt rund 520 Hektar, von denen etwa 490 Hektar im Freistaat Sachsen liegen. Rund 55 Prozent davon sind Steillagen - der weitaus größte Teil im Landkreis Meißen, der sich damit zu Recht als Hotspot der sächsischen Weinkultur versteht.
Prägend sind die charakteristischen Terrassen mit ihren Trockenmauern. Sie sind weit mehr als reine Produktionsflächen: Kulturgut, Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, touristischer Anziehungspunkt und identitätsstiftendes Symbol der Region zugleich.
Steillagen und Trockenmauern: schön, aber teuer
So imposant die Kulisse, so aufwendig ist ihr Erhalt. Die Arbeit in den Hängen ist beschwerlich, das meiste muss von Hand erledigt werden, und der Nachwuchs fehlt vielerorts - unabhängig davon, ob Weinbau als Hobby oder beruflich betrieben wird. Landrat Ralf Hänsel machte deutlich, dass Sanierung und Modernisierung fachlich wie finanziell anspruchsvoll und für Einzelne kaum ohne Fördermittel zu stemmen sind.
Wie teuer der Erhalt werden kann, verdeutlichte Kraushaar an einem laufenden Flurbereinigungsverfahren: Allein 190 Meter Trockenmauer müssen dort saniert werden - ein Betrag, der schnell in den sechsstelligen Bereich reicht und sich über Jahre erstreckt. Aus einer Familie mit Steinmetzen und einem Steinbildhauer stammend, warb die Ministerin für das seltene Handwerk: Ohne die Trockenmauern gehe es nicht, „man kann ja nicht einfach Spritzbeton anbringen".