Wenn Herrmann Passerel, 93 Jahre alt, im flimmernden Licht der Abendnachrichten seinen Unterarm massiert, ahnt niemand, was sich unter der schmerzenden Schwellung verbirgt. Ein Granatsplitter, der nach siebzig Jahren den Weg zurück an die Oberfläche sucht, Symbol für ein Trauma, das nie ganz verschwand. Ein stiller Schmerz, der das Leben eines Mannes prägte, der das Reden nie liebte und das Erinnern selten zuließ.
Wolfgang Wiedland zeichnet in seinem Buch „Zwei Brüder – Zwei Kriege“ ein eindrucksvolles Porträt zweier Brüder aus Kamenz, die, wie so viele Männer ihrer Generation, nicht zweimal, sondern doppelt vom Krieg gezeichnet wurden. Herrmann, der schweigsame Soldat, der die Schrecken des Gaskrieges im Ersten Weltkrieg überlebte und dennoch tief verwundet zurückkehrte. Ernst, der schwer verletzt von Bord eines Kriegsschiffes stieg, um später als Lokführer in Dresden ein Stück Stabilität zurückzugewinnen.
Der Dresdner Autor ist im (Un-)Ruhestand und war beruflich als Qualitätsingenieur mit Schienenfahrzeugen beschäftigt. Sein Roman basiert auf wahren Begebenheiten aus der eigenen Familiengeschichte. Wolfgang Wiedland sagt: „Es hat mich sehr bewegt, dass die beiden Männer zwei Mal in den Krieg ziehen mussten, das waren Helden ohne Heldentaten“.