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Bühne für ostdeutsche Sicht

Bühne für ostdeutsche Sicht
Prof. Carsten Gansel, der Herausgeber der OAZ, Holger Friedrich und Oberbürgermeister a.D. Roland Dantz diskutieren in Kamenz über die Frage, wer das Bild vom Osten prägt (v.l.n.r.). Foto: Matthias Stark
Von: Matthias Stark
In Kamenz diskutieren OAZ-Herausgeber Holger Friedrich, Prof. Dr. Carsten Gansel und Ex-OB Roland Dantz über den Osten.

Im fast vollbesetzen Saal des Kamenzer Stadttheaters ist die Stimmung unter den Besuchern gut. Es wird diskutiert, die Erwartungen sind groß. Eingeladen hat unter der Ägide der Freien Wähler Kamenz der Oberbürgermeister a.D. Roland Dantz zu einem Podiumsgespräch mit dem Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Carsten Gansel und dem Herausgeber der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung, Holger Friedrich. Das Thema des Abends ist „Wer prägt das Bild Ostdeutschlands?“. Eine spannende Frage!

In seinen einleitenden Worten betont Roland Dantz, dass er mit der Veranstaltung Raum geben möchte für öffentliche Debatten. Er sagte: „Meinungsfreiheit ist kein Geschenk“ und meint damit, dass sie auch in einer offenen Gesellschaft immer neu erkämpft werden muss. Prof Gansel stellt richtigerweise fest, dass es nicht um Opfergeschichten gehe. Das greift OAZ-Herausgeber Friedrich auf, wenn er betont, dass es einer Gesellschaft bedürfe, die kultiviert zu widersprechen verstehe. Man müsse die Resilienz und Erfahrung der ostdeutsch sozialisierten Menschen nutzen. Es seien unterschiedliche Erfahrungsmuster, die eine Bereicherung sein könnten. Dieses Potential sei vielfach bis heute nicht genutzt worden.

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Prof. Gansel erinnert daran, dass die DDR keine homogene Gesellschaft gewesen sei. Für viele Menschen hat sich 1989/90 auf einen Schlag alles verändert, wohingegen es im Westen einfach weiterging. Er machte das am Vergehen vieler Bibliotheken fest, die beim Aussortieren der ostdeutschen Literatur wenig bis gar keine Empathie zeigten. Da landete viel Bewahrenswertes auf dem Müll. Die mediale Kraft für die Oststimmen sei nicht da gewesen, so Carsten Ganzel.

Konformitätsdruck aufheben

Umso wichtiger ist es, dass es nun mit der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung eine Stimme aus dem Osten gibt, welche die mediale Vielfalt um einen wichtigen Farbtupfer bereichert. Holger Friedrich stellte fest, dass die Mediengesellschaft meinungsgetrieben sei. Deshalb brauche es die OAZ, denn es gebe einen medialen Unterschied zwischen ost- und westdeutschen Sichten. Außerdem gebe es einen Konformitätsdruck im Medienbereich, den die Zuschauer und Leser immer deutlicher spüren. Die berühmte „Schere im Kopf“ der Journalisten sei eine Realität.

Die publizistischen Leitlinien der OAZ bieten die Voraussetzungen dafür, dass Minderheitenmeinungen Gehör finden und der Meinungskorridor möglichst weit offengehalten wird. Seine Begrenzung finde er bei Hass, Hetze und Gewaltandrohung. Herausgeber Holger Friedrich findet es erstaunlich, dass die Gewinnschwelle, die man zehn Monate nach Gründung der neuen Zeitung erwartet hatte, bereits nach zehn Tagen erreicht wurde. Die Abo-Zahlen würden steigen, 32 Prozent seien Print-Abos. Dafür sei er sehr dankbar. Interessant sei auch ein Wechselangebot unter www.aufbauost.com, bei dem Leser problemlos von ihrem bisherigen Zeitungsabo zur OAZ wechseln können.

Aus dem Publikum gibt es an dem Abend viel Zustimmung zur neuen Zeitung, die sich nicht als Konkurrenz zu bestehenden lokaljournalistischen Angeboten sieht, sondern als Ergänzung. Der Geschäftsführer der OAZ, Dirk Jehmlich, bringt es im persönlichen Gespräch auf den Punkt, wenn er feststellt, dass die OAZ nicht die Stimme des Ostens sei, sondern die Bühne, auf der die Stimmen aus dem Osten laut werden können.

Matthias Stark
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Matthias Stark

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