Dresden. Zwei Städte, ein Landkreis - und überall dasselbe Ergebnis: Der öffentliche Nahverkehr wird gekürzt. In Chemnitz hat der Stadtrat gerade beschlossen, den Takt auszudünnen und das Nachtnetz früher enden zu lassen. Im Landkreis Bautzen rettet das ÖPNV-Budget die Geburtshilfe - auf Kosten der Fahrgäste an Wochenenden und in den Ferien. Und in Dresden laufen die Sparmaßnahmen bereits, während die nächste Runde wegen der städtischen Haushaltskrise schon in Sichtweite ist. Der Fahrgastverband PRO BAHN Mitteldeutschland warnt in einer aktuellen Stellungnahme vor einem strukturellen Kahlschlag im sächsischen ÖPNV.
Chemnitz: Nachtbus endet früher, Linie 73 fällt weg
In der Stadt Chemnitz hat der Stadtrat kurz zuvor ein Sparpaket für die Chemnitzer Verkehrs-AG (CVAG) beschlossen, das zum Fahrplanwechsel im Dezember 2026 in Kraft tritt. Die Maßnahmen sollen jährlich bis zu 2,9 Millionen Euro einsparen, die wegen stark gestiegener Kosten für Personal, Energie und Fahrzeuge fehlen. Konkret: Das Nachtnetz startet künftig bereits ab 22:45 Uhr - eine Stunde früher als bisher. Die Buslinie 73 zwischen TU-Campus und Altchemnitz wird ohne Ersatz eingestellt, einzelne Takte in Schwachlastzeiten werden ausgedünnt. Das Kernnetz im Berufsverkehr bleibt laut Stadtverwaltung erhalten.
PRO BAHN-Vorsitzender Markus Haubold kritisiert den Beschluss scharf. „Weniger Busse und längere Wartezeiten treiben Menschen zurück ins Auto", so Haubold. Dass ab 22:45 Uhr ganze Stadtteile vom Nahverkehr abgekoppelt würden, treffe vor allem Schichtarbeitende und junge Menschen ohne eigenes Auto. PRO BAHN verweist zudem darauf, dass im aktuellen Nahverkehrsplan zwei zusätzliche Nachtlinien vorgesehen seien, die bis heute nicht umgesetzt worden seien.