Junge Frauen, die in Privatwohnungen oder Nachtclubs zur Prostitution gezwungen werden, und Minderjährige, die im deutsch-tschechischen Grenzgebiet Opfer von sexuellen Übergriffen werden: Solche Fälle sind trauriger Alltag für die Hilfsorganisation Karo mit Sitz in Plauen - und das schon seit Jahren. Doch zunehmend beobachten die Sozialarbeiter, dass Menschenhändler Flüchtlingsrouten für ihre Zwecke nutzen. «Darüber lassen sich schutzlose Personen leicht einschleusen», sagte Geschäftsführerin Cathrin Schauer-Kelpin der Deutschen Presse-Agentur.
Seit fast 30 Jahren kämpft der Verein gegen Zwangsprostitution, Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung. An diesem Sonntag sollte der «Internationale Tag gegen Gewalt an SexarbeiterInnen» auf das Leid der Opfer aufmerksam machen.
Konkrete Zahlen, wie viele Menschen auf den Flüchtlingsrouten betroffen sind, seien schwierig zu ermitteln, erläuterte Schauer-Kelpin. Auch die Frage, ob sie über diese Wege nicht nur ins Land gebracht, sondern auf der Route erst kontaktiert werden. Und dann verschwinden. Die wenigsten Betroffenen von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung würden sich je trauen, eine Anzeige zu stellen. «Wer also soll das registrieren? Die meisten fallen durchs Raster.» Die niedrigen offiziellen Zahlen seien keinesfalls repräsentativ.