Mit einer als Denkzettel für den ungeliebten Insolvenzverwalter geplanten Aktion haben die Mitglieder den Chemnitzer FC in eine existenzielle Krise gestürzt und dabei sogar die Zukunft des Fußball-Drittligisten aufs Spiel gesetzt. In einer turbulenten und am Ende von wilden Wortgefechten überschatteten Mitgliederversammlung platzte die Wahl eines neuen Aufsichtsrats, so dass der Club führungslos ist und Insolvenzverwalter Klaus Siemon der starke Mann bleibt.
«Das ist der Super-GAU. Vereinsrechtlich ist das eine bittere Stunde, weil die Gremien nicht handlungsfähig sind. Aber die Mitgliederversammlung ist ein demokratisches Organ und das müssen wir akzeptieren», sagte Aufsichtsratskandidat Norman Löster.
Siemon hatte vor der Versammlung gefordert, eine neben Löster noch sechs weitere Personen umfassende Liste als neuen Aufsichtsrat zu wählen. Auf dieser Liste galten nur Löster und Not-Vorstand Anette Neuerburg als unabhängig gegenüber Siemon oder der CFC Fußball GmbH, unter deren Dach die Profi-Mannschaft angesiedelt ist. Siemon, der am Montagabend nicht vor Ort war, hatte sogar mit der Liquidation des Vereins gedroht, sollte die Liste nicht gewählt werden. Gegen diese Erpressung wehrten sich die Mitglieder, ließen die Liste durchfallen und einigten sich damit auf eine Einzelpersonenwahl.