Auch in diesem Jahr haben viele Gläubige in Sachsen den beiden großen christlichen Kirchen den Rücken gekehrt. Mit Ausnahme von Leipzig geht der Trend bei der Austrittszahl in den Großstädten weiter nach oben. Auch die Standesämter in kleineren Kommunen beurkundeten bis Mitte Dezember mehr solcher Entscheidungen als im gesamten Vorjahr. Gründe werden dabei nicht abgefragt und erfasst. Den Kirchen selbst liegt die entsprechende Statistik für 2023 noch nicht vor, sie informieren in der Regel im Sommer bundesweit über die Entwicklung des Vorjahres.
Die sächsische Landeskirche rechnet jedoch mit einem ähnlichen Niveau wie 2022 und geht von Stagnation aus. «Die hohe Zahl an Kirchenaustritten tut weh», sagt Michael Baudisch, Sprecher des Bistums Dresden-Meissen. «Aus Rückmeldungen hören wir, dass das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit der Kirche beschädigt ist.» So werde die Aufarbeitung beim Thema Missbrauch oft als zu zögerlich angesehen oder Gläubige seien enttäuscht über strukturelle Veränderungen in ihrer Pfarrgemeinde wie Kirchen- oder Gebäudeschließungen oder Personalabbau. Laut Baudisch machen sich viele den Schritt nicht leicht, «bei manchen geht ein langer Prozess der Entfremdung voraus».