Logo Die Sachsen News

Schmerzen im Alltag: So finden Betroffene die passende Behandlung

Person krümmt sich vor Schmerzen, Arme verschränkt unter dem Kopf
Schmerzen, die länger als drei bis sechs Monate anhalten, gelten als chronisch – ärztliche Hilfe ist dann der erste Schritt zurück in den Alltag. / Foto: Kateryna Hliznitsova auf unsplash.com

Der Rücken meldet sich beim Aufstehen. Das Knie schmerzt auf der Treppe. Und am Abend fehlt die Kraft für Freunde oder Familie. Für Millionen Menschen in Deutschland ist das kein schlechter Tag, sondern Normalität. Welche Wege aus dem Dauerschmerz führen können, zeigt ein Blick auf die Behandlungsmöglichkeiten.

Ein Problem, das viele betrifft

Chronische Schmerzen sind keine Randerscheinung. Nach Angaben der Fachgesellschaften sind rund 23 Millionen Menschen in Deutschland betroffen, wie beispielsweise die Techniker Krankenkasse berichtet. 6 Millionen von ihnen fühlen sich im Alltag spürbar eingeschränkt. Bei 2,2 Millionen Menschen hat sich der Schmerz zu einer eigenständigen Erkrankung entwickelt, die auch die Psyche stark belastet.

Von chronischen Schmerzen sprechen Ärztinnen und Ärzte meist, wenn die Beschwerden länger als drei bis sechs Monate anhalten. Häufige Ursachen sind Rückenleiden, Arthrose, Migräne, Nervenschäden oder die Folgen einer Operation. Oft hat der Schmerz zu Beginn eine klare körperliche Ursache. Mit der Zeit kann er sich jedoch verselbstständigen. Das Nervensystem reagiert dann empfindlicher, selbst wenn die ursprüngliche Verletzung längst verheilt ist.

Wenn der Schmerz den Takt vorgibt

Die Folgen reichen weit über das körperliche Empfinden hinaus. Viele Betroffene schlafen schlecht, ziehen sich zurück oder fallen im Job immer wieder aus. Aus Angst vor neuen Schmerzen bewegen sich manche kaum noch. Doch genau das kann die Beschwerden auf Dauer verstärken. Hinzu kommen Sorgen, Gereiztheit und nicht selten depressive Verstimmungen.

Dazu gesellt sich ein strukturelles Problem. Die Deutsche Schmerzgesellschaft kritisiert seit Jahren Lücken in der Schmerzversorgung. Laut einem Bericht der AOK dauert es bei mehr als der Hälfte der Betroffenen über zwei Jahre, bis sie eine wirksame Behandlung erhalten. Wertvolle Zeit, in der sich der Schmerz weiter festsetzen kann.

Mehrere Bausteine statt einer Lösung

Eine Patentlösung gegen chronische Schmerzen gibt es nicht. Fachleute setzen daher auf die sogenannte multimodale Schmerztherapie. Dabei arbeiten Schmerzmedizinerinnen, Physiotherapeuten, Psychologinnen und weitere Fachkräfte eng zusammen. Ziel ist nicht immer völlige Schmerzfreiheit. Oft geht es darum, wieder mehr Lebensqualität und Beweglichkeit zu gewinnen.

Bewegung spielt dabei eine zentrale Rolle. Gezielte Physiotherapie, Ausdauertraining oder sanfte Sportarten wie Schwimmen und Yoga können Muskeln stärken und das Schmerzempfinden positiv beeinflussen. Ebenso wichtig ist der Kopf. Psychologische Verfahren wie die kognitive Verhaltenstherapie helfen dabei, besser mit Schmerzen umzugehen und den Teufelskreis aus Angst und Schonung zu durchbrechen. Auch Entspannungsmethoden wie progressive Muskelentspannung finden in vielen Therapieplänen ihren Platz.

Medikamente sind oft Teil des Schmerzmanagements

Medikamente gehören ebenfalls oft zum Werkzeugkasten der Schmerzlinderung: Die Auswahl reicht von klassischen Schmerzmitteln über bestimmte Antidepressiva und Antiepileptika bis zu Opioiden. Welches Mittel passt, hängt von der Art des Schmerzes ab. Eine regelmäßige ärztliche Kontrolle ist bei allen Präparaten wichtig, um Nebenwirkungen früh zu erkennen. Von einer dauerhaften Selbstmedikation raten Fachleute ab. Wer über Wochen frei verkäufliche Schmerzmittel einnimmt, riskiert Schäden an Magen, Leber oder Nieren.

Medizinisches Cannabis als moderne Option

Seit 2017 dürfen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland Cannabis auf Rezept verordnen. Im April 2024 fiel es zudem aus dem Betäubungsmittelgesetz. Infrage kommt die Therapie vor allem dann, wenn andere Behandlungen nicht ausreichend wirken oder zu starke Nebenwirkungen verursachen. Wer ein Cannabisrezept kostenlos haben möchte, muss allerdings bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Dazu zählt vor allem eine schwerwiegende, ärztlich festgestellte Erkrankung.

Verordnen etwa Hausärzte, Neurologen oder Schmerztherapeuten, braucht es seit Herbst 2024 keine Genehmigung der Krankenkasse mehr. Andere Fachrichtungen benötigen weiterhin deren Zustimmung. Das Kassenrezept selbst kostet nichts. In der Apotheke fällt lediglich die übliche Zuzahlung an: zehn Prozent des Preises, mindestens fünf und höchstens zehn Euro pro Mittel. Wer von Zuzahlungen befreit ist, zahlt gar nichts. Übernimmt die Kasse die Kosten nicht, bleibt nur das kostenpflichtige Privatrezept. Dann zahlen Betroffene das Medikament selbst.

Fazit: Früh handeln lohnt sich

Chronische Schmerzen sind eine ernstzunehmende Erkrankung, kein Zeichen von Schwäche. Je früher Betroffene ärztliche Hilfe suchen, desto besser stehen die Chancen, den Schmerz in den Griff zu bekommen. Der erste Ansprechpartner ist meist die Hausarztpraxis vor Ort. Sie kann bei Bedarf an eine schmerztherapeutische Praxis oder eine Schmerzambulanz überweisen. Der Weg zur passenden Behandlung erfordert oft Geduld. Doch mit dem richtigen Mix aus Bewegung, psychologischer Unterstützung und Medikamenten können viele Menschen ihren Alltag wieder deutlich freier gestalten.