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Österreich öffnet den Glücksspielmarkt: Was das für Sachsens Staatsanbieter bedeutet

Hand hält vier Spielkarten-Asse (Pik, Herz, Karo, Kreuz) vor rotem Hintergrund
Wien setzt darauf, Spieler über die Zahl attraktiver legaler Alternativen zurückzuholen – während Österreich sein Online-Glücksspiel-Monopol öffnet, hält Sachsen am staatlichen Automatenangebot fest. /Foto: wirestock auf magnific.com
Від: Konrad Vers

In Leipzig und Dresden laufen die Automaten an diesem Abend wie an jedem anderen. In Wien liegt zur selben Zeit ein Gesetzentwurf im Parlament, der das Online-Glücksspiel in Österreich neu ordnet. Das bisherige Monopol soll fallen, künftig sollen mehrere Anbieter eine Konzession erhalten können. Sachsen hält an der umgekehrten Logik fest. Online-Casinospiele bleiben dort dem Land vorbehalten, und im Netz betreiben die sächsischen Spielbanken virtuelles Automatenspiel mit einer bundesweiten Erlaubnis. Bayern ging im April 2024 als erstes Land mit einem eigenen Online-Casino an den Start. Was in Wien beschlossen wird, liefert deshalb einen belastbaren Vergleichswert für beide Ansätze.

Was die Novelle konkret vorsieht

Die Regierungsvorlage bündelt mehrere Vorhaben, die bisher getrennt verhandelt wurden. Im Zentrum steht die kontrollierte Öffnung des Online-Marktes. Statt einer einzigen Konzession sollen künftig alle Unternehmen zum Zug kommen können, die die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen. Parallel dazu verschärft der Entwurf den Spielerschutz. Geplant sind ein zentrales Sperrregister für alle Spielformen und verpflichtende Einzahlungslimits, die anbieterübergreifend gelten. Der maximale Einsatz pro Spiel soll auf fünf Euro sinken.

Gegen Anbieter ohne österreichische Lizenz sieht der Entwurf Netzsperren und das Unterbinden von Zahlungsströmen vor. Wer bisher ohne Konzession am Markt aktiv war, muss sein Angebot bis Ende 2026 einstellen, um sich überhaupt bewerben zu dürfen. Erteilt werden die neuen Konzessionen ab Januar 2027, gültig sind sie ab 1. Oktober 2027. Offene Abgabenschulden schließen eine Bewerbung aus. Überwacht werden soll der Markt von einer neu geschaffenen Stelle für Glücksspiel und Spielerschutz.

Wie umstritten das Paket ist, zeigt ein Blick auf das Begutachtungsverfahren. Zum Ministerialentwurf gingen 109 Stellungnahmen ein. Vorgesehen sind außerdem verdeckte Testspiele durch das Amt für Betrugsbekämpfung. Anbieter sollen künftig Analysen zum Suchtpotenzial ihrer Spiele vorlegen, und die Werbebeschränkungen sollen gezielt weiterentwickelt werden. Wie ein geöffneter Markt in der Praxis funktioniert, lässt sich unterdessen nördlich der Grenze besichtigen.

Sachsens Sonderweg im deutschen Vergleich

Nördlich der Grenze gilt seit 2021 ein Lizenzsystem, das zwischen zwei Regimen unterscheidet. Virtuelles Automatenspiel, Online-Poker und Sportwetten sind bundesweit erlaubnisfähig, die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder lizenziert dafür auch private Betreiber. Online-Casinospiele wie Roulette oder Black Jack bleiben dagegen Sache der Länder. In Sachsen darf eine solche Erlaubnis nur dem Freistaat Sachsen oder einer Gesellschaft erteilt werden, an der ausschließlich der Freistaat beteiligt ist. Auf Grundlage eines Verwaltungsabkommens kommt nach derselben Vorschrift auch ein anderes Bundesland als Erlaubnisinhaber in Betracht.

In der Praxis nutzen die beiden Regime unterschiedliche Häuser. Die Sächsische Spielbanken-GmbH & Co. KG mit Sitz in Leipzig ging Anfang 2023 online und veranstaltet virtuelles Automatenspiel bundesweit, mit einer Erlaubnis der Länderbehörde und in direkter Konkurrenz zu privaten Lizenznehmern. Bayern wählte den anderen Weg. Die Staatliche Lotterie- und Spielbankverwaltung öffnete im April 2024 ein eigenes Online-Casino, das nur Spielern mit Wohnsitz im Freistaat offensteht.

Steuerlich laufen die beiden Standbeine getrennt. Für den Betrieb der Spielbanken fällt nach dem Sächsischen Spielbankengesetz eine Spielbankabgabe an das Land an, gestaffelt nach Bruttospielertrag von 35 bis 55 Prozent. Das virtuelle Automatenspiel im Netz unterliegt dagegen der bundesrechtlichen Virtuellen Automatensteuer von 5,3 Prozent, deren Bemessungsgrundlage am geleisteten Spieleinsatz ansetzt. Für die Landeskasse hängt am Onlinegeschäft damit weniger, als der Auftritt vermuten lässt.

In Österreich stellt sich die Frage nach dem Unterschied zwischen Anbietern erst jetzt. Wo bisher ein einziges Angebot zur Wahl stand, entsteht mit mehreren Konzessionären ein Feld, in dem sich Betreiber voneinander abgrenzen müssen. Online Casinos, die Anforderungen an faire Spielbedingungen erfüllen, lassen sich an nachvollziehbaren Auszahlungsquoten und dokumentierten Prüfberichten unabhängiger Labore erkennen. Der österreichische Entwurf schreibt einen Teil dieser Punkte künftig vor. Den Rest entscheidet weiterhin der Markt.

Wettbewerbsdruck und Kanalisierung im deutschen Markt

Für den staatlichen Anbieter in Sachsen ist dieser Vergleich unbequem. Er steht bereits heute im Wettbewerb mit privaten Lizenznehmern, und zwar unter Auflagen, die für alle Erlaubnisinhaber gleich gelten. Das Einsatzlimit, die vorgeschriebene Spieldauer von mindestens fünf Sekunden und das Verbot des Parallelspiels prägen das Spielerlebnis spürbar. Wer in einem geöffneten Umfeld Spieler halten will, konkurriert über Spieltempo und Auszahlungsdauer, und genau dort setzen die deutschen Vorgaben enge Grenzen.

Österreich plant ähnliche Vorgaben, verteilt sie aber auf deutlich mehr Schultern. Nach Zahlen der Glücksspielbehörde liegt die Kanalisierungsrate beim Internetglücksspiel in Deutschland bei etwa 77 Prozent, der Rest entfällt weiterhin auf Angebote ohne Erlaubnis. Ein Teil der Nachfrage wandert erfahrungsgemäß erst dann in den lizenzierten Markt, wenn die Unterschiede im Spielerlebnis klein genug sind. Ob daraus in Österreich ein Standortvorteil oder ein Wettlauf nach unten entsteht, hängt davon ab, wie konsequent Wien seine Sperrinstrumente einsetzt.

Was ab 2027 passieren kann

Der Zeitplan lässt sich bereits abschätzen. Vom Januar 2027 an können Konzessionen erteilt werden, wirksam sind sie ein Dreivierteljahr später. Die Instrumente gegen den illegalen Markt greifen bereits ab Januar 2027, also lange bevor die ersten neuen Konzessionen wirksam werden. In dieser Phase entscheidet sich, wie viele internationale Betreiber den österreichischen Weg tatsächlich gehen und wie viele Spieler im unregulierten Angebot bleiben.

Für Sachsen ist das mehr als eine Nachricht aus dem Nachbarland. In Deutschland läuft derzeit die Überprüfung des Glücksspielstaatsvertrags, und der Endbericht der Länder soll bis zum Jahresende vorliegen. Fällt die Bilanz schwach aus, wird die Debatte über Limits und Spieltempo neu geführt. Österreich liefert dafür ab Herbst 2027 laufend Vergleichsdaten aus einem Markt, der unter vergleichbaren Schutzauflagen deutlich mehr Wettbewerb zulässt. Ob die Zahl der Bewerber am Ende reicht, um den Graumarkt spürbar zu verkleinern, ist die eigentliche Frage hinter der Reform.

Es sind zwei Modelle und zwei Richtungen. Wien setzt darauf, Spieler über die Zahl attraktiver legaler Alternativen zurückzuholen, Sachsen auf ein Angebot in staatlicher Hand. Belastbar beurteilen lässt sich beides erst, wenn die neuen österreichischen Konzessionen laufen. Bis dahin bleibt die sächsische Spielbank das, was sie seit 2023 ist: ein bundesweites Automatenangebot mit einem Eigentümer, der zugleich Gesetzgeber und Nutznießer ist.