Logo Die Sachsen News
Nachrichten / Politik

Wolf Biermann: Ostdeutsche haben viel zu erdulden gehabt und bleiben seelisch geschädigt

Wolf Biermann: Ostdeutsche haben viel zu erdulden gehabt und bleiben seelisch geschädigt
Wolf Biermann spricht auf der Bühne im Thalia Theater. / Foto: Georg Wendt/dpa/Archivbild
Von: DieSachsen News

Menschen aus der DDR haben Liedermacher Wolf Biermann zufolge zu viel erdulden müssen und deswegen bleibende Seelenschäden erlitten. «Die Ostdeutschen sind nach zwei Diktaturen hintereinander doppelt geprägt. Kaputte Häuser und Straßen kann man in 30 Jahren wieder aufbauen, kaputte Menschen dauern etwas länger», sagte der 86-Jährige dem «Tagesspiegel» (Samstagsausgabe). «Wir alle gehen nicht nur kaputt an den Schlägen, die wir einstecken, sondern auch an den Schlägen, die wir nicht austeilen.»

Wolf Biermann hat in der DDR eigenen Angaben zufolge 1965 ein totales Auftritts- und Publikationsverbot bekommen. Er sei zum radikalen Kritiker der Parteidiktatur geworden. Elf Jahre später wurde er aus der DDR ausgebürgert.

Es mache chronisch seelenkrank, wenn man immer den Schwanz oder den Kopf einzieht, so Biermann. «Diese Deformation wird unbewusst vererbt von Generation zu Generation.» Seiner Meinung nach waren nicht genug Menschen im Widerstand gegen die DDR. «Vielleicht waren wir an die 1000 Leute in der ganzen DDR, die sich gewehrt haben.» Im Vergleich zu 16 Millionen «gehorsamen Untertanen» sei das nicht besonders viel gewesen.

Sachsen News
Artikel von

Sachsen News

Sachsen News ist für die Inhalte selbst verantwortlich. Es gilt der Kodex der Plattform. Die Plattform prüft und behandelt Inhalte gemäß den gesetzlichen Vorgaben, insbesondere nach dem NetzDG.

Social Media