Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat seine umstrittene Entscheidung, Susanna Karawanskij erst zur Staatssekretärin und später zur Ministerin zu machen, mit ihrer Leitungserfahrung gerechtfertigt. «Oberste Priorität war, die Fähigkeit und der Nachweis, ein Haus schon geführt und schon Verantwortung getragen zu haben», sagte Ramelow (Linke) am Freitag vor dem Untersuchungsausschuss «Postenaffäre», der die Einstellungspraxis der Landesregierung unter die Lupe nimmt. Ramelow verwies darauf, dass Karawanskij (ebenfalls Linke) ein Jahr lang Sozialministerin in Brandenburg war, bevor sie nach Thüringen kam.
Hintergrund für den Untersuchungsausschuss ist ein Prüfbericht des Landesrechnungshofes zur Personalpolitik der rot-rot-grünen Landesregierung. Darin wird unter anderem beanstandet, dass bei der Einstellung etwa von Staatssekretären die Bestenauslese nicht beachtet und Dokumentationspflichten verletzt wurden. Der Landesrechnungshof wirft der Landesregierung darin systematische und schwerwiegende Verstöße gegen Regeln zur Einstellung von Beamten vor. Die Landesregierung weist die Vorwürfe zurück und vertritt eine andere Rechtsauffassung. Im Januar 2023 wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Erfurt wegen des Anfangsverdachts der Untreue ermittelt.